Es sind keine guten Zeiten für Präsidenten. Auch wenn deren Funktionsbezeichnung nicht mehr als „Vorsitzender“ bedeutet, nichts Erhebliches also, strahlt doch irgend etwas – vermutlich das „ä“ – einen archaisch-feierlichen Glanz aus und verleiht dem „Präsidenten“ so eine Aura des Erhabenen. Für mich waren sie immer mit einer Unfehlbarkeit ausgestattet, die der des Papstes kaum nachstand.

Übrigens: Mir fällt auf, dass das Wort „Präses“, wie es die Evangelen abgekupfert haben, bei weitem nicht diese Würde aufweist. Ganz zu schweigen von „Präsens“, „Präsenz“ oder gar „Präser“. Also muss der hoheitliche Gestus wohl von dem zweiten Wortbestandteil ausgehen, wohl von „dent“ wie es auch in diversen Zahnpasta-Namen auftritt und zu absolutem Gehorsam hinsichtlich der Zahnhygiene zwingt.

Nun, Präsidenten sind heute auch nicht mehr das, was sie einst waren. Immer mehr verstricken sich in den Maschen des Gesetzes. Offenbar haben sie nicht kapiert, dass präsidere „vorsitzen“, nicht aber „über [dem Gesetz] sitzen“ bedeutet. Einer der ersten, den solches Missverstehen indirekt den Job kostete, war der US amerikanische Präsident Nixon (Watergate- Skandal). Einer seiner Nachfolger, Clinton, trieb`s in den Offizialräumen des Weißen Hauses mit einer Praktikantin, anscheinend einvernehmlich, denn es ist nicht bekannt, dass Clinton sich gewehrt hätte.

Ein israelischer Amtskollege ging dann voll zur Sache und vergewaltigte gleich mehrere Mitarbeiterinnen. Flugs wurde er vom Gericht in den Knast geschickt. Das war neu: Waren Präsidenten als politische Funktionselite einst nur durch Gewalt von ihrem Amt zu trennen gewesen und verloren oft ihren Kopf dabei, wurden sie nunmehr mit ordinären Dieben in eine Zelle gesteckt. Oder?

Wir Deutschen waren hinsichtlich der moralischen Integrität unserer Staatsoberhäupter ein wenig gespalten. Waren wir einerseits sogar stolz darauf, dass solche Dinge wie im Oval Office hier nicht passierten (wir haben keines, bei uns haben Amtsräume eckig zu sein, basta!), so wurmte uns das Langweilertum unserer E doch schon zutiefst im Innern. Ein Präsident erdreistete sich sogar zu verkünden, er liebe seine Frau! Und nicht etwa den Staat. Was da wohl die Bunga-Bunga-Italiener und Franzosen von uns gedacht haben? Die lieben den Staat zwar auch nicht (jedenfalls nicht verfassungsgemäß), dafür aber um so mehr die zarten Ärsche von Minder- jähriginnen. Schließlich strahlten die Ehefrauen deutscher Spitzenpolitiker auch nicht gerade Glamour aus, die kamen ja auch eher aus dem Häkelkreis von Kirchengemeinden. Professor Unrat? Fehlanzeige!

Nur ein CSU-Minister, Theo Waigl, der mit den Testosteron-getränkten Augenbrauen, trieb’s mit seiner Liebsten im Wald, was bei beiden zu nachhaltigen Nierenbeckenentzündungen führte und die Grünen zu hämischer Großform auflaufen ließ.

Wulff, wir ahnen es, wurde auch das Opfer einer Frau, seiner Frau. Die Geschichte wurde bisher noch nicht erzählt, doch sie stinkt nach dem „fischer un siner fru“. Schade, dass sie ein so unrühmliches Ende genommen hat, ich hätte gern einmal gesehen, wie sich die Gepiercte als Päpstin so macht. Denn als Lieber Gott – ich weiß nicht.