Die Déjà-vu-Erlebnisse häufen sich. Namen von Personen, die vor längerer Zeit im politischen Geschäft herum westen, tauchen plötzlich wieder auf: Erst von und zu Guttenberg, jetzt Graf Lambsdorff, Adenauer hatten wir kürzlich irgendwo auch schon. Und natürlich de Maizière. Bei der SPD waren es einst Willy Brandts politische Enkel, die die Schaltstellen der Exekutive in Beschlag nahmen (um kurz darauf in Diadochenkämpfe auszubrechen). Bei CDU/CSU und FDP dagegen sind es leibliche Nachfahren, die ihren ererbten Namen in politisches Kapital umzumünzen versuchen, Söhne, Töchter, Enkel, Neffen. Vielleicht sind es ja noch mehr, doch bei Dutzendnamen wie Schmidt, Müller oder Kohl kann man das ja nicht so genau ausmachen. Und einige Frauen verstecken sich hinter angeheirateten Namen: von der Leyen < Albrecht, Hohlmeier < Strauß. Jedenfalls mehren sich die Anzeichen einer schleichenden Umwandlung der Demokratie in eine Funktionsadelsrepublik, deren Posten von Generation zu Generation weitergegeben werden.

Mir kommt das bekannt vor: In Japan, wo das Familiengewerbe seit Alters her ein gängiges Reproduktionsmuster ist, gibt es unter den führenden Köpfen der aktuellen Politikergeneration kaum einen, der nicht auf ein älteres Familienmitglied in hoher politischer Position verweisen könnte. Ist die Politik dadurch besser geworden? Fragen Sie einmal Ihre japanischen Freunde! Dann können Sie erleben, dass es emotionale Ausbrüche auch bei Japanern geben kann.