Dass oder das? Der Verzicht auf das Alleinstellungsmerkmal „ß“ führt dazu, dass sich die Unterscheidbarkeit von „dass“ und „das“ zumal bei gleicher Aussprache zunehmend verflüchtigt. Was bereits heute noch als Nachlässigkeit oder Fehler gesehen wird, könnte in einigen Jahrzehnten zulässig sein: der Verzicht auf das Doppel-s im konjunktionalen „dass“.

Eine andere Frage ist, wie lange sich der Buchstabe ‘v’ halten wird. Es ist der überflüssigste Buchstabe in der Rechtschreibung des Deutschen: Entweder man spricht es wie in „Volk“ als f, dann kann man es auch so schreiben. Ohnehin müssen wir es, sobald es als Fremdwort daherkommt, mit f schreiben: Folklore. Oder es spricht sich wie w, etwa in „Vase“. Auch dafür haben wir einen bereits kampferprobtes Zeichen, eben das w. Also, warum nicht: Wase oder Uniwersität?

Ein kleines Problem gibt es bei gleichlautenden Wörtern, die bisher nur orthografisch zu unterscheiden sind: „er fiel hin, hatte dabei aber viel Glück, denn er verletzte sich nicht“. Ist aber die Sprache zur Eindeutigkeit gezwungen, wird sie schon einen Ausweg aus diesem Dilemma finden. Etwa, indem sie eine Vergangenheits-Ersatzform schafft: *fallte /*fuhl hin.

Problematisch ist auch die Längenkennzeichnung von Vokalen, insbesondere des i: ie, ih, ieh, aber auch das alleinstehende i wird häufig lang gesprochen: Tiger, Tier, Vieh. Ob hier eine Vereinheitlichung gefunden werden wird, ist fraglich, zu sehr ist das Schriftbild gerade bei kurzen Wörtern betroffen: Tieger, Tir. Oder: Fi. Sieht ziemlich schräg aus. Radikale Vorschläge wie N8 (Nacht) oder Kla4 (Klavier) werden sich wohl nur bei Liebhabern skurriler Lösungen durchsetzen.

Und auch die Großschreibung wird nicht verschwinden, zu sehr übernimmt sie sprachstrukturierende Aufgaben (etwa bei den Nominalformen der Verben: lesen – das Lesen). Als die Abschaffung seinerzeit erwogen wurde, führte man die Diskussion entlang des Satze: „Ich habe in berlin liebe genossen“. Solle das verstanden werden als: „… liebe Genossen“ oder „… Liebe genossen“?