In der Passivrauchdebatte herrscht zur Zeit Stille, vielleicht ist es die Ruhe vor dem Sturm des anstehenden zweiten Teils der Auseinandersetzung. Zeit, einmal darüber nachzudenken, was alles man vor einem Jahr übersehen hat, trotz so frappierender wie „R-Gastronomie“.

Dass noch nicht alles ausgeschöpft ist, wurde mir schlagartig klar, als ich neulich den Fernseher spontan einschaltete und mich mitten in einem alten Hollywood-Krimi in Schwarzweiß wiederfand: Was wurde da geraucht! Kaum hielt ein Schauspieler in seiner Bewegung inne, schwupps! landete auch schon eine Zigarette in seinem Gesicht. So als müsse das Kino immer wieder aufs Neue beweisen, dass sich seine Bilder bewegen, dass es keinen Stillstand gibt.

Was hier bedenklich stimmt, sind weniger cineastisch-ästhetische Aspekte, auch nicht das mentale Passivrauchen ist das Hauptproblem. Vielmehr muss die Frage gestattet sein, was mit diesen Filmen geschehen soll, wenn eines Tages das Geruchs-Kino/ TV kommt. Bisher ist der Bereich der olfaktorischen Wahrnehmung ja aus allen Bemühungen um die Aufzeichnung von Sinneseindrücken ausgeklammert worden (bzw. hat sich solchen Versuchen erzogen), woran auch Romane bzw. Filme wie „Das Parfum“ nichts geändert haben. Aber der wissenschaftlichtechnische Fortschritt geht unaufhaltsam weiter und wird auch eines Tages diesen Bereich unseres Alltagslebens für unsere Nachkommen nachvollziehbar dokumentieren.

Eingedenk der Erfahrung, dass Kunstwerke nicht vor dem technischen Fortschritt sicher sind, – Furtwänglers Beethoven-Einspielungen ebenso wenig vor der Stereotechnik wie Goethe vor der Rechtschreibung – , stellt sich irgendwann die Frage, ob historische Filme weiterhin nur in ihrer originalen, geruchsfreien Version gezeigt werden sollen oder ob sie neu eingeräuchert werden? (Ich denke da vorrangig an Filme wie „Smoke“.) Vielleicht werden sie, – wie bei Stummfilmen ja heute durchaus üblich, die in gehobenen Filmpalästen live eingetont werden – , von lebenden Geruchs-Darstellern odoriert? Die Besucher müssten allerdings vorher eine Erklärung unterschreiben, dass der Genuss dieser Filme auf eigene Gefahr und in eigener Verantwortung geschieht.

Und was geschieht in Neuproduktionen? Müssen rauchende Darsteller in Szenen, in denen das Rauchen dramaturgisch unerlässlich ist (Historienfilme, etwa über das Tabakscollegium Friedrich Wilhelms I.), die Leinwand verlassen und in einem gesonderten R-Raum sich eine einpfeifen, während die zurückbleibenden Darsteller sich narrativ über deren Tun auslassen?