Mein Rechtschreibprogramm reagiert zuverlässig und ersetzt den eingetippten Begriff „Osmodrama“ durch „Oslodrama“. Dafür liebe ich es. Tut es doch nichts anderes, als mir lästige Fehlschreibungen vom Hals zu halten. Doch mein Rechtschreibprogramm ist auch nur ein Mensch und irrt an dieser Stelle. Denn abgesehen von der spannenden Frage, was wohl ein „Oslodrama“ sein könnte (nachgewiesen ist dieses Wort nicht) – das Osmodrama existiert wirklich. Spätestens seit dem 15.Juli ist es in unserer Welt und wird dort, so alles schlecht läuft – bis zum 18. September bleiben.

In dieser Zeitspanne von rund zwei Monaten wird es Bestandteil der Kreationen eines „Festivals für Geruchskunst“ sein, das erstmalig in der Geschichte der Menschheit in Berlin zelebriert wird. Damit es nicht gleich in der Provinzialität versinkt, hat man ihm auch einen englischen Titel an die Seite gestellt „Storytelling with Scents“. Nein, nicht etwas „smells“, was ein Ignorant der Feinheiten der englischen Sprache wie ich einer bin, gekürt hätte, sondern das sachlicher klingende „scents“, muss hier herhalten, um das ganze Projekt auf die Seite des Akzeptablen zu ziehen. Das Wort war mir bislang nicht bekannt und wird im Lexikon mit „Duftstoff“ übersetzt. „Smell“ dagegen deckt die ganze Palette der olfaktorischen Eindrücke wieder, vom elysischen Duft bis hin zum höllischen Gestank.

Sei dem wie ihm sei – immerhin verrät der englische Name mehr über die künstlerischen Absichten der Macher. Und das ist ja auch schon etwas. Übrigens gibt es noch eine weitere englischsprachige Version dieser spätgeborenen Kunstrichtung, Sie stammt von dem, der alle Kombattanten an Strahlkraft zu überbieten scheint: Wolfgang Georgsdorf, Erfinder, Muse, Promotor und Oberster Befehlshaber des Projekts. Sie lautet: „The Art of Olfactory Storytelling“.

Das Festival-Programm verzeichnet vom Geruchskino über Geruchssinfonien bis hin zu geruchsunterlegten Literaturlesungen eine Vielzahl von Möglichkeiten, Gerüche dramaturgisch akzentuierend einzusetzen. Kein Geringerer als Edgar Reitz hat seinen Film über die Welle deutschen Auswanderer in die Neue Welt Mitte des 19. Jahrhun- derts mittels einer „olfaktorischen Szenensynchronisation“ (O-Ton Festivalprospekt) überarbeitet. Schliesslich durfte auch eine „Lange Nacht“ nicht fehlen. Ort der Veranstaltung ist eine Kirche in Berlin-Mitte (St. Johannes Evangelist-Kirche). Der Zu-was? (Zuhörer oder Zuschauer geht nicht) vielleicht Zuriecher betritt das Kirchenschiff durch einen transparentenen Folientunnel, der sich dann im Hauptraum der Größe des Bauwerks anpasst, zugleich aber das Abwabern der fraglos kostbaren Duftstoffe kontrolliert.

Erzeugt und gemischt werden die etwa 350 Grundgerüche durch eine Geruchsorgel („Smeller 2.0“) in der Apsis und dann über Schlitzöffnungen in der Foliensperre in den Hauptraum geleitet. Ich will auf die Diskussion technischer Aspekte verzichten, vielmehr auf einen Aspekt hinweisen, der – na sagen wir mal – ein ungutes Gefühl in mir aufkommen liess. Dass Geruch ein Sinneseindruck ist, der wie andere solcher Eindrücke auch legitimer Weise sein Ausdrucksvermögen zeigen können sollte, ist unbestritten.

Nein, es geht hier um das Arrangement: Kasse – Eingangstunnel – mittels Folien geruchsdicht ausgeschlagener Raum – Einleiten von Düften in diesen Raum. Düfte aber sind Gase. Hätte nicht spätestens hier jemand merken sollte, dass man sich in irritierender Weise der Gaskammern-Technologie der Nazis in den Konzentrationslagern bedient hat? Ich bin weit davon entfernt den Projektmachern hier Absicht unterstellen zu wollen. Doch ein bisschen mehr Sensibilität wäre doch wohl angebracht gewesen.

Statt dessen herrschte eitel Freude über das gelungene Marketing dieses Projekts, dessen treibende Kraft wohl Wolfgang Georgsdorf zu sein scheint.

Merke: Wer solche Eier in die Welt setzt, sollte auch für die Reinigungskosten auf kommen.