Ich achte nicht so sehr auf das, was die Boulevardpresse schreibt. Einmal weil die nicht meine Themen verhandelt, zum anderen weil sie möglicherweise auch das diese Zeitungen nicht lesende, nahezu blind dem Charme des Sozialklatsches vorbeieilende Publikum durch Poster zwangsinformierten.

Nur manchmal stutze ich, schaue dann genauer hin und kaufe dann auch schon mal eines dieser Blätter. So Gestern . Es waren zwei Meldungen die mich ansprangen und über die mich meine Stammzeitung leider nie informiert:

1. „US.Armee verirrt sich in Brandenburg“ (BZ) und

2. „Grüne kämpfen für Pizza-Lieferung für Schwerverbrecher“ (Bild),

Dass die Amis orientierungsmässig nicht ganz sattelfest sind, ist aus vergangenen Kriegen nicht ganz unbekannt,sollte uns aber dank der rasch zunehmenden Brandherde in aller Welt keineswegs auf die leichte Schulter zu nehmen. Wir können von Glück sagen, dass die Anis seinerzeit fast ganz Europa unter ihre Rute gebracht hatten. So konnte die US Army keinen großen Schaden anrichten, wenn sie weisungsgemäß “immer geradeaus“ fuhren und marschierten und rechts und links einfach alles niedermachten, solange bis sie auf von trunkenen Lenkern („Führer“ ging ja nicht!) kreuz und quer durch die märkische Heide gejagten Panzer stiessen. Das seien Russen und die waren schliesslich Verbündete, hatte man ihnen eingetrichtert,

Doch danach ging`s unlustig weiter: In Vietnam füllten die Amerikaner die Gefallenenlisten für beide Kriegsparteien zeitweise im Alleingang. In Teheran scheiterte 1980 ein Versuch, 66 amerikanischen Diplomaten aus der von iranischen Studenten besetzten US.Botschaft in Teheran zu befreien. Wie spätere Untersuchungen ergaben, soll eine große Anzahl der Marines unter Drogen gestanden haben.

Als es 1968 in den Glacis-Staaten Osteuropas zu kriseln begann, zeigte ein amerikanischer TV-Sender eine Landkarte der (damals noch) Tschechoslowakei. Die Legende aber sagte: „Schweiz“.

Schließlich wurde es ernst; In einem der Balkankriege nach der Wende bombardierte die Air Force die chinesische Botschaft in Belgrad, die kurz zuvor erst dorthin umgezogen war. Die Amerikaner hatten sich noch keine neuen Stadtpläne besorgt.

Wen wundert es angesichts einer solchen Vorgeschichte geographischer Ignoranz, wenn in Europa alles, gleich ob Freund oder Feind, bei Drei auf den Bäumen zu sein versucht? Das ist natürlich auch keine Lösung, daher schlagen wir vor, dass vor dem nächsten Waffengang ausgiebig Geographie des Feindeslands gebüffelt wird. Kompetentes Personal sollten die multiethnischen USA doch nun wirklich besitzen!

Immerhin könnte durch diesen Zwischenfall der Ort Güldendorf, eine so genannte Tausend-Seelengemeinde, an touristischem Interesse („The Güldendorf-Connection“: Titelschutz wird vorsorglich für diesen oder einen ähnlichen Titel angemeldet) gewonnen haben. Aber auch die bodenständige Gemeinde wird wohl noch lange davon zehren: „Das ist ein echtes Highlight für Güldendorf. Daran werden wie hier uns hier sicher noch länger erinnern,“ soll ein Dorfbewohner sich gefreut haben. Zumal „die Soldaten […] sehr freundlich [waren]“, Vielleicht waren es ja gar keine Amerikaner? Sondern einfach nur Schauspieler? Denn wer will noch mit den Amis in den Krieg ziehen und wozu?

In der zweiten Meldung des Tages (Pizza für einsitzende Straftäter) ist die Erklärung wohl in der neuen Sozialpolitik der Grünen zu suchen. Durch die Befütterung der Knastis mit warmem Käsebrot soll eine abschreckende Wirkung erzielt werden. Es soll dem Vernehmen nach im brandenburgischen Justizministerium sogar daran gedacht werden, für Wiederholungstäter die Ernährung auf vegetarisch der gar vegan umzustellen.

Nun stelle ich mir mal realiter vor, eine Pizza, von mir als Knacki bestellt, würde durch einen gewerblichen Pizza-Lieferservice in meine JVA geliefert werden. Nehmen wir ferner an, bis zum Gefängnistor verlaufe alles planmässig. Dann aber wird die Pizza auf artfremde Zusätze, vor allem auf solche aus Metall überprüft, was bedeutet, dass die Salami-Scheiben sowie die Pepperoni-Schoten danach wieder mittels der Hand zusammengesetzt werden müssen. Da kann ich mir lebhaft vorstellen, dass die Pizza ziemlich zermanscht beim Endverbraucher ankommt, obendrein noch kalt. Fehlende Stellen sind laut Auskunft der Anstaltsleitung möglicherweise durch Rattenfraß hervorgerufen worden.

Wie diese Ratten ausgesehen haben mögen, lässt sich später allerdings nicht mehr zweifelsfrei feststellen.