Gauck hat nur wenige Tage nach seiner Wahl zum Bundespräsidenten Polen besucht. Sich gerade in diesem Land als erstem nach Amtsantritt vorzustellen, sei Wahl seines Herzens gewesen. Das ist gut so.

Sein polnischer Kollege Bronislaw Komorowski kommentierte Gaucks Staatsbesuch mit einem etwas zweideutigen Satz – traut man der deutschen Wiedergabe: Es ist uns in den vergangenen Jahren schon sehr viel gelungen. Wir rechnen nicht mit einem Umschwung. Es kann also nur noch besser werden.“

Ein Satz für philologische Gourmets, Sudoku verbal gewissermaßen. Wenn es nur noch besser werden kann, sind wir dann jetzt nicht am Nullpunkt? Also schlechter geht’s nimmer? Hm, sollte der polnische Präsident das wirklich gesagt oder auch nur gedacht haben, wo doch die Bilder von Friede und Freude berichteten? Man muss den Satz eine Weile hin und her kauen, die Betonung verschieben – und plötzlich enthüllt er seine ganze Freundlichkeit: Nicht zwischen „also“ und „nur noch besser“ eine Zäsur setzen, sondern zwischen „nur“ und „noch besser“.

Ein wenig erinnert das an die rhetorischen Taschenspielertricks, mit denen gewiefte Schauspieler aus ihren Rollentexten verborgenste Nuancen ans Tageslicht zu zaubern vermögen. Einer von ihnen – ich habe vergessen, wer es war – hat das einmal an folgendem Satz aus Schillers „Wilhelm Tell“ vorgeführt: (Der Schrägstrich soll die Zäsur markieren, Fettschrift eine Betonung) „Der brave Mann denkt an sich selbst / zuletzt.“ „Der brave Mann denkt an sich / selbst zuletzt.“ „Der brave Mann denkt /an sich / selbst zuletzt.“

Also: Das Verhältnis zu Polen ist gut. Wenn es sich aber ändern sollte, dann nur zum Noch-Besseren.