Der 500. Beitrag

Ich weiß ja nicht, ob Ihr Euch wirklich über Post von mir freut. Die meiste schicke ich gar nicht erst ab, Dennoch: für mich ist das Besondere an der taz, dass ich das Bedürfnis verspüre, ihr zu schreiben. Nicht Nörgelei, nicht Besserwisserei, nein eine Art Liebeserklärung soll es sein.

So freue ich mich über jede gelungene Formulierung (auch wenn ich sie nur für mich sammle), über jeden Fehler, sprachlich wie sachlich, der mir Gelegenheit gibt, mich zu äußern: Right or wrong, my taz!

Heute ist es eine Rezension des Gastspiels eines japanischen No-Ensembles (Komparu-Schule), die mich zögernd zum Computer greifen lässt. “Die Kunst des Schenkens“. Schön, diese Überschrift mit ihrem impliziten Bezug zu den sozialen Künsten Japans. Aber etwas blass dann doch die Ausführungen zur Frage: Was ist No? Die innere Struktur wird nicht sichtbar. Wie jede Kunst fordert auch die des Schenkens eine bestimmte Einstellung des Rezipienten, hier des Beschenkten. Er sollte sich sachkundig machen

In der hier gebotenen Kürze: Die meisten der in fünf Kategorien eingeteilten Spiele handeln von den Seelen eines oder einer Verstorbenen, die/der eines „unguten Todes“ gestorben ist, oder genauer: die/ der gewaltsam aus einem noch nicht erfüllten Leben gerissen wurde (Krieger, um ihre Liebe betrogene Frauen und dergleichen). Ein Reisender begibt sich an den Ort des historischen Geschehens im Zusammenhang mit dieser Person. Dort trifft er auf einen „Zeitzeugen“ in Gestalt eines einfachen Bauern etwa oder eines Fischers, des – wie sich zeigen wird – eigentlichen Protagonisten, der ihm von dem Leid berichtet, das sich hier einst zugetragen hat.

Zu Beginn wird der Reisende auf den Geist des Ortes hingewiesen, im weiteren Verlauf werden die Bezüge zu dem Schicksal des Protagonisten immer drängender, die innere Spannung steigt, droht zu explodieren. Hier hat der erste Tanz seinen dramaturgischen Ort, auch wenn er noch aus der Perspektive des Bericht erstattenden Bauern (etc.) „erzählt“. In der Pause vollzieht sich dann die Metamorphose des Bauern in den eigentlichen tragischen Helden, der nur durch das flehende Gebet eines einfühlsamen Menschen erlöst werden kann. Der fast den ganzen zweiten Teil ausfüllende Tanz verleiht dem Verlangen nach Erlösung beziehungsweise Rache, aber auch nach Ruhe Ausdruck, er ist der eigentliche Höhepunkt. Dass der Darsteller dabei alle Register seiner Könnens zieht, ist nahe liegend.

Stofflich greift das (im 15. Jahrhundert entstandene) No-Theater auf die reichhaltige Kriegs- und Hofliteratur vergangener Jahrhundert zurück, deren Helden schon früh in das nationale Narrativ des Landes eingegangen sind. Es sind also meist keine neuen Geschichten, die bekannten werden vielmehr aus neuer Perspektive erzählt.