Es geht um den Nachwuchs-Literaturwettbewerb „Open Mike“. Die taz berichtet:
„Etwa 600 hatten sich für den Open Mike beworben, 22 waren eingeladen worden. Mehr als die Hälfte von ihnen lasen so fehlerlos wie die Literaturvorleser des Deutschlandfunks.“
Klar ist auf den ersten Blick, dass bestimmte Wörter zwar eine Mehrzahl ausdrucken können, formal aber ein Singular sind: „die Hälfte“. Entsprechend müssen die Satzglieder, die mit „Hälfte“ in Kongruenz stehen, die Singularform annehmen.
Nun werden ganz Gewitzte sagen: Mag ja sein, aber in diesem Fall ist es (natürlich sagen sie in ihrer Borniertheit: „sind es“!) ja noch deutlich mehr als die Hälfte, denn es heisst „mehr als die Hälfte“ Wenn das rein rechnerisch keinen opulenten Plural ergibt!
Denkste! Denn mehr als die Hälfte ist morphologisch immer noch ein einzelner Angehöriger der Menge „die Hälfte“ (+ ein paar Gequetschte, doch die zählen in diesem Falle nicht..).
So leicht lassen sie sich nicht austricksen, unsere Plurale. Erst einmal müssen die Schein-Singulare verschwinden.