Der Mord an den Redakteuren der Pariser Satire-Zeitschrift „CHARLIE HEPDO“ ist durch nichts zu rechtfertigen. Er war brutal, feige und geschah ohne jeden Versuch, auf dem Weg des verbalen Streits das Problem aus dem Weg zu räumen.

Die Solidarisierung mit den Opfern erfolgte spontan, ohne auf den Inhalt des Blattes zu schauen, der Inhalt mochte sein wie er war, auf ihn kam es überhaupt nicht an. Es ging um Rache, Rache für unzählige Demütigungen, die den Muslims in Frankreich durch ihre christlichen Landsleute .zugefügt worden waren.

Es hätte vielleicht noch eine kleine Chance gegeben, aus dem Attentat zu lernen, wie wir trotz unterschiedlicher Weltsichten friedlich und in gegenseitigem Respekt zusammenleben können.

Wenn nicht die Opferseite ihren moralischen Bonus in unerträglicher Weise überzogen hätte. Was nach dem Terroranschlag und den Solidaritätsbekundungen in aller Welt den Boden für eine Geste der Versöhnung hätte bereiten können, erwies sich als Speerspitze einer unerträglichen Provokation. Niemand hat sich mit Unwissen herausreden können, die Karten lagen offen auf dem Tisch. Und jeder konnte wahrnehmen, dass es einen Triumph der Pressefreiheit nur zu Lasten der religiösen Gefühle der Muslime hat geben können. Doch die Versöhnung scheiterte an der unsäglichen Borniertheit der Satiriker, die nun noch einen draufsatteln: Sie vermarkteten das corpus delicti in schlechtester Reliquienhändler Manier, erhöhten sogar die Auflage auf 7 Millionen, um möglichst viel Geld damit scheffeln zu können. Dabei war es gleichgültig, ob dieses Geld für einen guten Zweck eingesetzt werden sollte oder nicht. Allein der Deal: Skandalstück spült Geld in die Kassen – das ist der Skandal. Und um das Geld zu bekommen, werden die Gefühle der Muslime mit Füßen getreten. Hätte man doch nur einmal auf die Geschichte der Kreuzzüge geblickt!

Der Islam ist vielleicht keine perfekte Religion, doch auch das Christentum, an dem so viel Blut klebt, ist keine. Die gläubigen Muslime sind mit dieser Religion aufgewachsen, sie ist wie eine Mutter für sie. Mehr noch als in den laizistischen Gesellschaften ist die Religion ein Teil ihrer Identität, wer diese Religion befleckt, befleckt auch jeden einzelnen Gläubigen. Warum kann man das bei uns nicht einsehen? Stattdessen wird immer wieder die Keule der moralischen Überlegenheit hervorgeholt, um damit die Muslime als minderwertige Spezies zu desavouieren?. Es ist erbärmlich! Warum sieht denn niemand, dass auch das Christentum als eine Religion der Aussöhnung, der Versöhnung und nicht zuletzt des Ausgleichs entstanden war? Als eine Religion, der die Rache fremd war. Wenn der frühere Bundespräsident Wulf und jetzt auch Bundeskanzlerin Merkel ebenso wie das Judentum den Islam als zu Deutschland gehörend erkennen, so stimme ich dem natürlich zu, jedenfalls was die Menschen betrifft. Aber man sollte auch hinzufügen, dass die Abweichungen, die der jüdischen Religion gegenüber dem Christentum eingeräumt werden (Rachegedanke: Auge um Auge …), auch dem Islam zuerkannt werden müssten. Und natürlich auch umgekehrt.

Religionen kann man nun einmal nicht einfach mittels einer Strichliste miteinander vergleichen. Die Menschen müssen selber den Weg zueinander finden.

Wie immer man zu den Religionen stehen mag: durch das Anheizen der Stimmung wird man sie kaum miteinander versöhnen können