Im Streit um eine Verkürzung (wenn nicht gar Aufhebung) des Nacht- flugverbots für den neuen Hauptstadtflughafen “Willy Brandt“ ( BER) hat der derzeitige Aufsichtsratsvorsitzende, der brandenburgische Minister- präsident Platzeck eine überraschende Kehrtwende vollzogen und vertritt jetzt die Position der Flughafengegner.

Das an sich ist schon ein politischer Coup, doch es soll noch besser kommen!

Da die Nachtruhe an sich nunmehr als ein fundamentales Konstituens menschlichen Lebens und damit der Menschenrechte ausgemacht ist, wird es nicht lange dauern, bis auch andere Bereiche den Vorrang der Nachtruhe werden anerkennen müssen.

Um ein Beispiel zu geben: In heißen Sommernächten, wenn sich in den Hinterhöfen von Nord-Neukölln die stickige Luft staut, und die verzweifelnden Menschen nicht nur ihre letzten Hüllen fallen lassen, sondern auch die Fenster aufreißen in der wahnwitzigen Hoffnung, durch die Schaffung eines von ihnen initiierten Kreislaufs den Heißluftstau irgendwie beeinflussen zu können. Stattdessen setzen sie ganz andere, längst schon vergessen geglaubte Prozesse in Gang, die beschreiben oder gar erklären zu wollen den Rahmen des hier Möglichen sprengen würde. An Einzelheiten interessierte Leser seien ausdrücklich auf die einschlägigen Filmproduktionen von Woody Allen verwiesen, etwa: „ Was Sie schon immer …“.

Jedenfalls kommt es unter den beschriebenen Bedingungen zwangsläufig zu Eruptionen, die Menschen beginnen zu kopulieren. Das tun sie nicht ohne für eine stimmlich-akustische Untermalung zu sorgen, die bei geöffneten Fenstern den Nachtlärm ins schier Unermessliche, ja: Unerträgliche stei- gert. Die Single-Minderheit, die in Berlin fast schon an dem Punkt angelangt ist, die Mehrheit zu bilden, wird von diesem, um sie herum aufbrandenden Getöse nicht nur um den Schlaf gebracht, nein, mehr noch, sie gerät in Gefahr dieser Massenhysterie ebenfalls zu verfallen und Hand an sich selber zu legen. An Schlaf oder Nachtruhe ist unter solchen Umständen überhaupt nicht zu denken!

Soll die Volksgesundheit keinen dauerhaften Schaden nehmen, so ist schnellstens nicht nur das Nachtflugverbot auf strengstem Niveau durchzu- setzen, sondern auch ein nächtliches Beischlafverbot. Natürlich muss diese Liste offen bleiben, um auch andere störende Nachtgeräusche aufnehmen zu können: Klavierspielen, das Rezitieren klassischer Balladen, laute Streitereien zwischen Ehe- oder Lebensabschnittspartnern sowie das rücksichtslose Furzen bei geöffneten Fenstern.

Gut informierte Kreise verweisen darauf, dass natürlich in erster Linie das unkontrollierte Beischlafen in Verbindung mit so genannten Lustlauten in seine Schranken verwiesen werden soll. Natürlich ist klar, dass den Menschen Alternativen oder Ausweichmöglichkeiten angeboten werden müssen. So wird über die Schaffung von Reproduktionszentren in Form von – schallgedämmten – Containerdörfern nachgedacht. Aber auch eine Entnahme von Sperma in Samenbanken ist im Gespräch, um so eine maximale Lustfreiheit zu erzielen.

Eins aber ist klar: Erst wenn die zivile Nachtruhe weder hergestellt ist, kann an eine Neuordnung des Flugverkehrs gedacht werden.