Es ist noch nicht lange her, dass die Debatte um den Gebrauch der so genannten N-Wörter in den Medien hoch brandete – wieder einmal. Es ging dabei nicht nur um political correctness in aktuellen Texten, nein in ganz besonderem Maße machte sie sich fest an dem „Neger“ in den Werken von Astrid Lindgren oder Otfried Preußler – Autoren von Klassikern der „guten“ Kinderliteratur.
Daran musste ich denken, als ich heute nach langer Zeit wieder einmal zur Volksbühne fuhr und dabei den U-Bahnhof Mohrenstraße passierte. Dieser Bahnhof wurde von antiimperialistischen Aktivisten durch gezielt eingesetzte Pünktchen auf dem o in Möhrenstraße umbenannt worden. Nur für kurze Zeit, aber immerhin, dieser Vorgang fütterte die Öffentlichkeit mit Diskussionsstoff.
Die Absage an die alten Namen ist gut gemeint, aber ist sie auch richtig? Aufklärende Hinweise auf die politischen bis hin zu rassistischen Implikationen sind natürlich angebracht, der ideologische Hintergrund solcher sprachlichen Entgleisungen erschließt sich heutigen Jugendlichen nicht von allein. Es geht also um das Wie. Und da muss ich mich leider gegen die Mehrzahl der politisch Korrekten stellen. Woher sollen die nachwachsenden Generationen denn wissen, dass sich historisch eine Entwicklung zum Guten in diesem Land, ja hier in Deutschland vollzogen hat? Das ist etwas, auf das wir stolz sein können. Und diesen Stolz müssen wir an die nächsten Generationen weitergeben.
Doch ohne die diskriminierenden Ausdrücke könnten wir gar nicht ermessen, was sich seit den Zeiten der naiven Verwendung derartiger Ausdrücke bis heute getan hat. So bitter das manchem aufstoßen mag – zu Recht – so unentbehrlich ist es, den aktuellen Sprachgebrauch – in vielen Fällen – mit dem überholten zu konfrontieren, um die zurückgelegte Strecke nachvollziehbar zu machen. Also belassen wir die „Neger“, die Schlacht- schiffe „Taku“ und „Iltis“ des auf Kolonien erpichten Kaisers in der öffentlichen Sprachlandschaft, um so leuchtender werden sich andere Namen öffentlicher Orte abheben.
Da fällt mir ein: Gibt es eigentlich eine “Auschwitzstraße”? Odereinen Platz der Shoah? ein Rondo der Schandtaten der Wehrmacht? Nein? Warum nicht? Reicht eine Hiroshimastraße (in Berlin) aus? Was für eine Erinnerungskultur haben wir eigentlich? Ist nur das Vorbildhafte zugelassen? Gibt es nicht auch Vorbilder im Bösen? Und wenn es sie tatsäch- lich gibt, ansatzweise, dann werden sie schamhaft hinter Abkürzungen verborgen. Wie der OdF-Platz, über den wir an anderer Stelle bereits gesprochen haben.