Die Bundesregierung veranstaltete in Erfurt ihren ersten Bürgertag. Das Inforadio rbb jubelt: „Vorbei sind die Zeiten, da sich die Regierten alle vier Jahre an der Wahlurne meldeten und von den Regierenden als bloßes Stimmvieh wahrgenommen wurden, ansonsten aber Politik mehr oder minder zahm über sich ergehen ließen. Heute ist „Demokratie 2.0“ angesagt: Die Menschen wollen mitreden, auch mitten in der Legislaturperiode, und sie nehmen sich ihre Redezeit selbst – die neuen Medien machen´s möglich.“
Sabine Zech, Betriebsratsvorsitzende im Hotel Steigenberger, Jena, berichtete enthusiasmiert über die direkte Begegnung von Regierenden und Regierten: Die Kanzlerin habe sehr schnell die Rolle der Moderatorin übernommen, sie habe die Leute ausgesucht, mit denen sie gesprochen hat.
Ach so ist das mit der Moderation! Ich habe mich immer schon gefragt, was ein Moderator zu tun habe, denn das Wort kommt ja von dem Lateinischen moderare, was „mäßigen“, „zügeln“ bedeutet. Durch rhetorisches Eingreifen lenken – so hatte ich es bislang verstanden. Doch nun werde ich eines Besseren belehrt: durch geschickte Auswahl die richtigen, ja genehmen Fragen stellen lassen.
Wo fand das statt? In Erfurt? Erfurt, das ist doch Thüringen und Thüringen, das war doch DDR. Vielleicht hat sich dort ja eine eigene politische Kultur herausgebildet, von der wir hier im Westen noch gar nichts mitbekommen haben. Wurde also Zeit, dass das mal bei diesem Heimattreffen klargestellt wurde. Denn wer von Thüringen nur die Rostbratwürste kennt, kennt wohl zu wenig. Vielleicht sollte sich die NSU uns Ahnungslosen auch einmal bürgernah präsentieren.