Berliner Szenen: Die Missgeburt.

In: taz Berlin vom 28. Juli 2014, Seite 24

Der Autor des o.g. Beitrags fährt Auto. Beim Rechtsabbiegen lässt er noch eine Fußgängerin passieren, wird dafür aus einem schwarzen Mercedes heraus auf das Übelste angemacht und dann noch bedroht. So weit, so normal im Berliner Straßenverkehr.

Was an diesem Artikel auffällt, ist der Hinweis auf die ausländische Herkunft von Bedroherin und Anmacher: „… keift eine junge Frau mit dunklen Haaren“. Und: „… brüllt er mit türkischem Akzent“. Man könnte auch noch den schwarzen Mercedes (!) in dieser Richtung deuten.

Ich frage mich, was anders gewesen wäre, wären die dunklen Haare und der türkische Akzent unerwähnt geblieben. Die Überschrift „Die Missgeburt“ ist ein Zitat, natürlich. Oder? Im Text ruft die Dunkelhaarige „Du Missgeburt“. Frage an die Philologen: Macht das einen Unterschied?

Geschichten wollen uns die Welt erklären. Es wäre verdienstvoll gewesen, wenn dieser Bericht uns gesagt hätte, dass es Menschen gibt, die um des eigenen Vorteils willen andere bedrohen und anmachen, und dass wir das nicht dulden dürfen. Aber mit diesen Seitenhieben gegen Menschen ausländischer Herkunft sagt er nur: Vorsicht vor Türken mit dunkelhaarigen Begleiterinnen in schwarzen Mercedessen!