Im nachrevolutionären Ägypten wird ab heute ein Parlament gewählt, wohl die ersten freien Wahlen überhaupt. Es ist eine lange, komplizierte Prozedur, die erst Mitte Januar abgeschlossen sein wird. Für ein Volk, das so gar keine Erfahrung im Umgang mit der Macht hat, das immer nur regiert wurde, ein einzigartiger Einschnitt.
Es werden knapp fünfhundert Abgeordnete vom Volk gewählt, klärt uns das Inforadio auf. Zehn weitere benennt das Militär, der derzeit herrschende Staatsrat. Wie das? Was sollen die Vertreter des Militärs im Parlament machen? Aufpassen, dass die Diskussion nicht aus dem Ruder läuft? Die Eingänge sperren? Oder - schlimmer noch – die Ausgänge?
Bemerkenswert das Selbstbewußtsein des Militärs, das glaubt, es im Verhältnis 1:50 mit den Abgeordneten aufnehmen zu können. Sicher die Frucht jahrzehntelanger Praxis.
Ja, auch unsere Demokratie und Freiheit, sie müssen verteidigt werden, notfalls am Hindukusch. Warum sollten es die Ägypter besser haben? Nein, nein, welches Volk könnte sich rühmen, bei ihm werde die Demokratie bereits im Parlament verteidigt?