Wer kennt sie nicht, die Katz- und Maus-Spiele zwischen Busfahrern und Passagieren. Da hält ein Bus der Linie X an der Haltestelle, während ein anderer Bus der Linie Y sich eben dieser Haltestation nähert. Als dieser hält und die Türen aufplatzen, springen Fahrgäste von Y heraus, um in einem tollkühnen Sprint noch X zu erreichen. Doch dessen Fahrer schließt die Türen und tritt das Gaspedal tief durch, noch ehe der erste Umsteigewillige bis auf einen Meter herangekommen ist.Das ging Jahre lang so. Bis eines Tages wohl jemand, dessen Stimme in der Kommunalpolitik Gewicht hatte, zwischen die Fronten geriet. Seither herrschte Ruhe, – fast. Um so mehr hielten sich die Busfahrer an die Betriebsvorschriften, etwa so: War der Bus einmal abgefahren, gab’s kein Zusteigen mehr, selbst wenn das Fahrzeug fünf Meter später wegen einer Ampel halten musste.
Die mir nächstgelegene Haltestelle ist so positioniert, dass man erst sieht, ob ein Bus hält, wenn man seinen Kopf um die Straßenecke gestreckt hat. Mir ist es noch nie passiert, dass ein Busfahrer seinen gelben Koloss abgebremst hätte, nur um einen Heranspurtenden aufzunehmen.
Doch heute ist eben das geschehen. Ich war der Begünstigte, wollte schon resigniert abdrehen, als der Wagen seine Reifen Richtung Bordsteinkante einschlug. Auf meine Dankesbekundungen antwortete das zufriedene Lachen eines schwarzen Gesichts. Als wolle es sagen: „Wir wissen, was es heißt, zurückgelassen zu werden.“
Und wir? Nutzen wir die Gelegenheit, unser Repertoire an sozialem Ver- halten multikulturell anzureichern?