Es war ein vollkommenes Déjà-vu. Die Bus-Haltestelle, die Ecke, die den Blick auf den haltenden Bus verstellte, der kurze Sprint hin zum anfahrenden Bus. Mein resigniertes Abwinken und dann das Erstaunen, als der Bus wieder hielt. Mein Erstaunen auch, als ich in das dunkle Gesicht guckte, das ich nun schon kannte. Und der Mann entschuldigte sich sogar. Er habe mich zu spät erst gesehen. Ich war sprachlos.

Zweimal binnen dreier Wochen die gleiche Situation mit einem verständnisvollen Bus-Fahrer, das war schon eine kleine Sensation. Dazwischen Einheitskost: Der Bus fuhr los, obwohl ich fast schon die Tür erreicht hatte. Kopfschüttelnd stand eine ältere Frau dabei und beobachtete die Szene. Die können einfach nicht über ihren Schatten springen, meinte sie. Schlimmer noch, dachte ich: Sie sind der Schatten. Denn der Schatten, das ist eine geborgte Realität, eine Scheinexistenz, die sich auf eine Referenzgröße bezieht, um nicht selbstverantwortlich handeln zu müssen. Die Referenzgröße aber ist die Betriebsvorschrift, wenn man sich auf die beruft, kann man einfach nichts falsch machen. In einer solchen Konfiguration ist der Bus-Fahrer entbehrlich, die Vorschrift aber nicht.