Die taz hat es neuerdings mit dem Adel. Noch Guttenberg wurde von ihr anfangs wegen seiner diversen Adelsprädikate und einer gewissen noblesse-oblige-Ausstrahlung (Dünkel) mit recht spitzer Feder angefasst. Doch mit der Zeit fand man für den Von-und-zu-Mann zunehmend anerkennende Töne, scheint bei ihm doch die Diskrepanz zwischen Anspruch und Wirklichkeit im Vergleich zu anderen Politikern geringer auszufallen.
Inzwischen scheint die taz ihre Einstellung zu Adligen generell einer Revision unterzogen zu haben. Es genügt schon die Adelsvermutung, um Gutes und Hehres erwarten zu lassen. Nach der Lobhudelei auf einen Gorlebener Junker (für die allerdings auf der Leserbriefseite Prügel ausgeteilt wurde) vergeht derzeit kaum ein Tag, ohne dass über Konstantin Neven DuMont, einem Quasi-Adligen, und seine Kapriolen nebst Familien-Saga berichtet wird. In teilweise unangemessen überdimensionierten Artikeln. Selbst heute, wo doch schon alles gesagt sein sollte, geht es munter weiter, wenngleich gestrafft. („Ich bleibe jetzt erstmal Vorstand.“ – erinnert von ferne an Hape Kerkelings Titel-Klassiker: „Ich bin dann mal weg.“) Wen, liebe taz, interessiert das eigentlich? Außer vielleicht Euch Medienmenschen? Aber das könnt Ihr doch auch in der Redaktionskonferenz oder der Mittagspause betratschen. Wozu habt Ihr jetzt dieses schicke Café? Warum müssen wir in Eure Nabelschau mit eingebunden werden? Ach so, weil wir keinen echten Adel haben, über den Ihr berichten und so die Leser an Euch binden könnt? Merkt Euch: Wir sind auch so schon, wie die Gesellschaft heute ist, hinreichend bedient und brauchen keinen Adel, auch keinen falschen oder eben medialen. Noch einmal Konstantin NDM (sic!), und ich bin dann mal weg!
Kaum sind diese Zeilen geschrieben, ereilt uns erneut ein Adels-Artikel, diesmal als Satire über die Neigung zur Selbstkrönung in Berlin-Brandenburgischen Landen getarnt. Anlass ist die für heute erwartete Erklärung von Renate Künast (alias Renate I.), für das Amt der Regierenden Bürgermeisterin von Berlin kandidieren zu wollen. Auch wenn die in dem Artikel gezogenen Vergleiche ziemlich hinken, ist doch die sachliche Detailkenntnis des Autors beachtlich. Man könnte gar mutmaßen, hier baue sich im Untergrund das kommende Thema publizistischen Schlagabtausches (nach Hitler) auf.