Die Medien leben davon, dass,, – bildlich gesprochen – , in China ein Sack Reis umfällt. Dann wird eine Zeitlang auf den Sack eingedroschen, um diesen gewissermaßen als Sau durch das mediale Dorf zu treiben. Dieses Ritual nennt sich „Blickpunkt“ oder „Schwerpunkt“. Früher gab es sogar ein „Extrablatt“, etwa, wenn ein Krieg dicht bevor stand oder gar bereits ausgebrochen war. Der Bürger sollte möglichst schnell informiert werden, dass er für das Vaterland zu sterben habe.
Im elektronischen Zeitalter geht es nicht um Schnelligkeit. Vielmehr um das Ausleuchten noch der letzten Winkel in dem zur Rede stehenden Geschehen. Meist ist dies singulär, gelegentlich aber überlappen sich zwei Ereignisse. Es ist gewissermaßen die totale Sonnenfinsternis der Medien. Nicht ganz klar ist, ob die spirituelle Regie des Weltgeschehens hier nicht aufgepasst hat, oder im Gegenteil, die Gier der Menschen nach Sensationen mit einem Doppelschlag bedient.
Diesmal fallen der Kampf um Libyen (nachdem bereits zuvor die Aufstände in Tunesien und Ägypten die Welt in Atem gehalten hatten, – den im Jemen nahm dann kaum noch jemand zur Kenntnis) und der AKW-Gau in Japan zusammen. Auch der weist eine Tripelstruktur auf: Erdbeben – Tsunami – Reaktorunglück; - Un-Glück? Fliegen hier dem Land nicht die Folgen einer jahrzehntelangen verfehlten Energiepolitik um die Ohren)
Das alles ist schon schlimm genug, aber die Medien sind unersättlich, sehen oder ziehen Verbindungslinien, wo unbedarftere Gemüter rein gar nichts sehen. Auf vier Seiten berichtet die taz vom 21. März 2011 im Rahmen eines Schwerpunkts von der „Katastrophe in Japan“. Und was sagt sie? Auf der Hälfte des Platzes, dass die Bahnhofsgegner von Stuttgart – wir erinnern uns – dranbleiben wollen. Und dass Umweltminister Norbert Röttgen eine neue Brille hat. Mit der er möglicherweise den Atomenergie-Ausstieg schärfer ins Auge nehmen kann.
Wer hätte das gedacht!