Vor einiger Zeit schon hatten wir uns der Frage zugewandt, wie die Hightechnisierung der Küche in den letzten Jahren zu erklären sei. „Die Küche wächst“. Damals sahen wir darin einen Versuch, die Küche als Ort des Arbeitens aufzuwerten und so auch für emanzipierungswillige Frauen akzeptabel zu machen.
Heute wissen wir es besser: Die Männer, die ja bekanntlich solche Küchen entwickeln, haben klammheimlich die Übernahme der Küchenarbeit durch sich selbst vorbereitet. Die taz hat die Hintergründe dieser Entwicklung aufgedeckt. Und wir wollen sie unseren Lesern nicht vorenthalten. (Wer liest schon die taz? Doch nur diejenigen, denen sie gehört. Und das sind nicht viele.)
Wir wissen aber nun aus der Evolutionsgeschichte, dass der Mann sich nie irgendwo endgültig niederlässt, vielmehr stets darauf bedacht ist, weiter zu ziehen, neue Claims abzustecken. Nach Hausbar, Hobbykeller und Küche, – was wird wohl das nächste Ziel seines unermüdlichen Tatendrangs sein? Das Schlafzimmer? Schon abgegrast (Kolle!). Zu befürchten steht, dass die Hausbibliothek sein nächstes Opfer sein wird. Denn es steht die neueste Technologie bereits bereit, um das Lesen zu einem technischen Vorgang (e-book!) werden zu lassen, zu einer Männerdomäne also.
Das Interessante an dieser Neueroberung der Welt ist, dass sich die Männer nur selten um das kümmern, was man heute contents, also: Inhalt nennt. Als die Stereoanlage einst in die Wohnzimmer einzog, dröhnte in Straßenlautstärke, aber HiFi, die letzte Schrottmusik durchs Haus. Hochwertige Kameras wurden und werden eingesetzt, um die Freundin vor irgendeinem berühmten Denkmal abzulichten. Und nun steht zu befürchten, dass die Küchenbastler, machen sie sich erst einmal ans Kochen, bei Spiegeleiern mit Speck ihre Kompetenzgrenzen erreichen.
Dennoch sollten wir die Hoffnung nicht aufgeben, dass die Evolution sich irgendwann auch im qualitativen Bereich zeigen werde.