Der Sternekoch (ein Koch also, dem man für seine Kreativität am Herd einen Lorbeerkranz gewunden hat) beschreibt das herkömmliche Bild des Verzehrs einer Artischocke etwa so: Alle sitzen in trauter Runde beisammen, zupfen die einzelnen Schuppenblätter, tunken sie in einen der bereit stehenden Dips und ziehen sie durch die fest zusamengedrückten Zähne und trennen so das fruchtige Fleisch vom „Heu“. Dieses Bild desavouiert er zugleich als „romantisch“. Die eigentliche „Arbeit an der Artischocke“ sehe ganz anders aus und erfolge – natürlich – in der Küche. Der Gast sei ja schließlich nicht gekommen, um zu arbeiten.

Wenn man dieser Logik folgt, wird der Gast eines Tages entweder von Robotern gefüttert oder nimmt gar nicht mehr am öffentlichen kulinarischen Leben teil. Denn wer will schon in unserer hedonistischen Gesellschaft arbeiten?

Merke: Arbeit ist fremdbestimmt. Niemand aber zwingt mich, Artischocken zu essen.

Da fällt mir der Titel einer Dokumentation ein, die das Goethe-Institut München veröffentlicht hat, im Jahr 1984 bereits in der 19. Auflage. Und offenbar ganz ohne Beanstandungen. Sie lautet: „Arbeitsmittel für den Deutschunterricht an Ausländer.“ Immerhin nicht: „… an Ausländern“.