Postfeministische Forschung in England hat es jetzt zu Tage gebracht: Männer waren früher mehr Männer! Sie hatten nämlich längere Finger als ihre heutigen Artgenossen!! Ausgehend von der„Annahme, dass die Menge von männlichen Hormonen wie Testosteron, der ein Baby im Mutterleib ausgesetzt ist, die Länge der Finger [des Babys] beeinflusst“ (taz vom 5.11.2010, S.18), kamen Forscher aus Liverpool und Oxford zu der Erkenntnis, dass Urmenschen aggressiver waren und häufiger den Sexualpartner wechselten. Denn ihr Ringfinger sei, bedingt durch den hohen Hormoneinfluss im Mutterleib, im Verhältnis zum Zeigefinger länger gewesen. Da dieselben Hormone aber auch die „Ausprägung männlicher Eigenschaften“ der Urmännchen bestimmen (Aggressivität und Sexual- verhalten werden genannt), sei der verlängerte Ringfinger ein Indiz für das Vorliegen eben dieser.

Leider lässt der Artikel einige Fragen offen: Gilt die Fingerlängenindikation auch heute noch? Und wenn ja, wie lang darf dann der Ringfinger im Verhältnis zum Zeigefinger sein, lohne Verdacht zu erregen? Kann das etwa bei der japanischen yakuza verbreitete Abschneiden eines Fingergliedes als Therapie gewertet werden? Auf jeden Fall aber sei Heiratswilligen geraten, vor dem Aufstecken des Rings den dazugehörigen Finger des Partners genau zu betrachten.

Der Artikel endet etwas abrupt mit dem dunklen Satz der Oxford-Forscherin Susanne Shultz: „Es ist extrem schwer, auf das soziale Verhalten zu schließen, wenn man nur Fossilien hat.“

Wen meint sie denn damit?