Es sind im Verhältnis kleine Firmen, aber sie bauen eine unheimliche Macht auf: die Ranking-Agenturen. Und sie sitzen in den USA, so auch Standard & Poor’s, die es binnen nur weniger Tage zu weltweiter Berühmtheit geschafft haben.Die Welt ist voller Triple-A-Staaten, denen die Banken ihre Kredite nur so hinterher w erfen. Was ist langweiliger, als Däumchen drehend solche Szenarien beobachten zu müssen? Da juckt es den einen oder anderen Mitarbeiter schon, einem dieser stolzen, geckenhaften Pfauen eine Schwanzfeder zu stibitzen.
Und schon kommt Leben in die Bude: Dem einen fehlt plötzlich der dritte Buchstabe, dem anderen das +, eine Art Ritterkreuz, andere müssen Fremdbuchstaben akzeptieren, um nicht ganz durch den Rost zu fallen. Schon drohen die ersten zu sinken.
Es hat diesmal vor allem die europäischen Staaten erwischt, die verbittert ansehen müssen, wie ihnen die Kronjuwelen unter dem Hintern weggezogen werden. Wen wundert es da, dass Galle in ihnen hochsteigt, ein Ruf wie Donnerhall durch die Reihen der einstigen Musterschüler wogt, drohend: „Wir werden eine eigene Rating-Agentur errichten.“ Und dann sollen die Amis mal sehen!
Doch dann wird es wieder eigenartig ruhig in Europas Fluren und Wälder. Oder wird insgeheim ein Bollwerk gegen den Ratingismus vorbereitet, von dem wir nur nichts wissen sollen? Ich bin sicher, eines Tages wird uns der Ruf aus den Betten treiben: „Ab 5 Uhr 45 wird zurück geschossen! Mit Euro-Bonds.“