„Rocco und seine Brüder“, ein Film von Visconti, der den Zerfall der traditionellen italienischen Familie unter den Bedingungen des Großstadtlebens zeigt. Ein im Grunde konservativer Film, der die „heile“ Welt des dörflichen Italien (keineswegs platt!) verherrlicht. Sichtbar wird das in der Figur des Hoffnungsträgers Luca, dem Jüngsten, dem der älteste Bruder rät, wieder in das Dorf zurückzukehren.
Und heute? Wer die Entwicklungslinien des künstlerischen Films verfolgen will, wer überhaupt ein Interesse am Film als Kunstwerk hat, wird auf seine Kosten kommen. Auch wer wissen will, woher wir kommen. Aber seine eigentliche (weil beabsichtigte) Wirkung kann der Film wie jedes Kunstwerk nur entfalten im Hinblick auf die Zeit und in ihren Geist, in der er entstanden ist. Denn Aufgabe der Kunst ist es, ihrer Zeit den Spiegel vorzuhalten. Kunst wird eben nicht für die Ewigkeit geschaffen. Denn jede Zeit hat andere Sorgen.
Wirklich? Sind nicht gerade die „Meisterwerke“ zeitlos? Indem sie Antworten auf die Fragen auch unserer, also einer späteren Zeit geben? Denkbar ist auch, dass die Probleme die gleichen sind, sie diese Gleichheit aber hinter einer unterschiedlichen Fassade verbergen. Ich denke, das hat nichts mit einem besonderen Zug der Kunst zu tun, die aus ihrem zeitgebundenen Kontext heraus in die Zukunft hineinspringen kann.
In der Tat sind manche Aussagen, aber auch Problemstellungen überzeitlich. Dennoch müssen wir Zuschauer es verstehen, den Transfer aus einer Gebundenheit an eine frühere, andere Zeit aufzuheben und die Essenz des Kunstwerks in unsere Gegenwart zu transferieren, in unseren heutigen Fragestellungen die damaligen zu erkennen. Ich denke, das ist die Grundproblematik im Umgang mit „älterer“ Kunst. Dass wir nämlich erkennen, dass sich die Probleme der Welt gar nicht so sehr geändert haben, wohl aber ihre Verpackungen.
Ich habe den Film nicht bis zum Ende gesehen, auch und gerade, weil ich die psychische, aber auch mentale, zerstörerische Gewalt nicht ertragen habe. Vielleicht war gerade das die Herausforderung.