Kombiniert man die Wörter „Brück“ und „Kunst“ und begibt sich auf die Google-Suche, erhält man vielleicht vier oder fünf auf den Ort Brück bezogene Links, die restliche halbe Million wendet sich ausschließlich den Brücke-Malern zu. Brück ist also kein Ort, könnte man schlussfolgern, der es mit der Kunst hat.

Brück ist eine Stadt, auch wenn das auf den ersten Blick nicht auffällt. Dort lebten auf insgesamt 85,71 qkm ganze 3.623 Einwohner. Und das 44 m über dem Meeresspiegel! Dass sich da Kunst nicht entfalten kann, liegt auf der Hand.

Nun ist es aber doch geschehen. Künstler aus Dänemark, Finnland und Deutschland haben Brück zum Kunstobjekt erkoren und auf jeweils ihre Weise für Videoarbeiten („Milchfleckvieh 98 056“), Fotografien und Aufnahmen mit der Wärmebildkamera (vermutlich auf der Suche nach verborgenem Leben) genutzt. Der Stadtraum selbst wird zur Ausstellungshalle wie auch eine leer stehende Gaststätte und eine Dönerbude.

Der Ort Brück selber ist schon bemerkenswert. Ich kenne ihn gut, ist doch ein lieber Freund nach der Wende dorthin gezogen. Die Stadt hat sich aus einem Straßendorf entwickelt, eine schnurgerde Straße führt 9 Kilometer weit an einer beidseitig geschlossenen Sraßenrandbebauung (eineinhalbgeschossig) vorbei. Eintöniger geht`s nimmer, könnte man meinen, würde sich das eigentliche Leben nicht jenseits der Fassaden abspielen. Denn dort haben die Brücker ihren Schatz versteckt: ihre Gärten. Die ziehen sich in der Breite (oder besser: Schmäle) der jeweiligen Häuserfront über gut einbis zweihundert Meter hin, reich bepflanzt mit den herrlichsten Bauerngärten, die ich jemals gesehen habe.

Dieses Antlitz der Stadt mit Worten zu schildern, ist schon nicht einfach. Aber es dann auch noch in einer Radiosendung zu imaginieren – der RBB hat`s geschafft! Ich wiederhole noch einmal: schnurgerade Straße, rehts und links davon eine geschlossene Straßenrandbebauung mit jenen kleinen eineinhalbgeschossigen Häuschen, wie sie für Brandenburg so typisch ist, die Abwendung von der Straße – wie will man das darstellen?

Nun, der RBB hat zu einem sensationellen Trick gegriffen. Nach jedem Satz des Textes wurde eine absolut lautfreie Pause von etwa 10 – 20 Sekunden eingeblendet. Nie habe ich Leere schmerzhafter empfunden als bei diesem Arrangement von gesprochenem Wort und Stille, weiß nun, was neun Kilometer Straßendorfdurchfahrt sind. Und wie man das Fehlen der Menschen nachvollziehbar machen kann- Danke RBB!