„Wegen der Ehekrise sollen betroffene Bauern eine Entschädigung erhalten, nicht aber der Handel“, vermeldete das Inforadio. Ehekrise? Was ist das für eine Ehekrise, die eine pekuniäre Entschädigung mit sich bringt? Hab ich da gar was versäumt?
Ganz falsch! Die Sprecherinnen des Radio befinden sich in der Tat im Dauerstress, so als haben sie einen internen Schnelligkeitswettbewerb auszutragen. Und so wird die Artikulation und vor allem die Segmentierung schon einmal dem raschen Fluss geopfert. Heißt: aus „EHEC-Krise“ wird dann dank der beiden zusammenstoßenden K-Laute eine veritable „Ehek-Krise“ und schließlich „Ehekrise“.
Nicht, dass ich den Bauern den seelischen Schmerz nicht glauben würde. Doch eine Entschädigung? Erstmal ist Griechenland an der Reihe. Wer weiß, ob es Europa heute überhaupt geben würde, hätten seinerzeit Zeus und Kohorten sie nicht zum Zwecke von Fortpflanzungsversuchen geraubt. Diese Experimente haben eine ganze Reihe von Ehekrisen im griechischen Olymp und auf Erden nach sich gezogen. Dafür sollen sie nun entschädigt werden, die Griechen. Und das ist gut so!
Vielleicht ist alles ja nur eine Frage der Wortwahl. Also: ein Zweitwort muss her, das nicht mit „k“ beginnt, zum Beispiel: „Hysterie“ oder gar „Panik“. Aus „EHEC-Panik“ wird nicht so leicht „Ehepanik“. Und es knüpft an eine Bezeichnung an, die dem wahren Charakter dieser Hype am ehesten gerecht wird: „Medienseuche“.