Die mediale Welt stand Kopf. Warum? Das Mittelalter war zurückgekehrt! Die Kirchenfürsten aus aller Welt hatten sich in Rom versammelt, um einen neuen Papst zu wählen, nachdem der alte die Brocken hingeschmissen hatte.

Der Papst ist der Stellvertreter Gottes auf Erden. Da fragt man sich zuerst, weshalb der Allmächtige einen Stellvertreter braucht. Und zum zweiten, weshalb er den nicht selber wählen kann. Die Kirchengelder müssen halt auch irgendwie verbraucht werden, denke ich. Außerdem ist es eine hochwertige Kulturleistung, wenn Millionen von Menschen in die Glotze starren, wo man es versteht, aus schwarzem und weißem Rauch eine abendfüllende Sendung zu machen.

Die Zusammenkunft, wie auch die Papstwahl selber, nennt sich conclave, auf deutsch Konklave. Und auf japanisch コンクラーベ、 sprich: konkurâbe (mit langem /a/) Da späestens zuckt der Japaner zusammen. Japan ist das das Reich der Zeichen, was schon Roland Barthes feststellte, aber auch der Zeichen- und Sprachspiele. Um den Witz zu retten, ist man sogar bereit, die strengen orthographischen oder metrischen Regeln mit einem Augenzwinkern zu verschieben. Denn was dem Witz dient, ist gut! So wird aus dem fremdsprachigen konkurâbe das japanische konkurabe (ohne langes /a/) Dieses Wort nun kenntman in Japan nur zu gut aus ganz alltäglichen Zusammmenhängen: –kurabe, der zweite Kompositions- bestandteil, bedeutet “Wettkampf“, “Vergleich“, etwa in: ude-kurabe: Kräftemessen („wer hat die stärksten Arme?).

Worum aber geht es bei kon? Es ist die (massige) Pflanzwurzel etwa des Rettichs. Wohl aufgrund der morphologischen Ähnlichkeit wird es gern als Sinnbild für das männliche Gemächt benutzt, eigentlich dankon 男根、die “Männerwurzel“.

Was um alles in der Welt treiben die Kardinäle da eigentlich? denkt der gemeine, (weil) überwiegend unchristliche Japaner, der andererseits dank der heimischen Medien sehr wohl über die sexuellen Übergriffe selbst hochrangiger Priester gegen Abhängige informiert ist. Die im Lexikon angegebene Bedeutung „Geduldsprobe“ ist nämlich nur die eine Seite der Medaille. Wird kon im Sinne des männlichen Gliedes gelesen, ergibt sich daraus doch glatt: der Wettbewerb um den Schwanz, im Klartext: Wer haten Längsten?

Yuf diese Doppeldeutigkeit hingewiesen hat mich meine japanische Kollegin yoko, eine zunehmend kritisch werdende Leserin. Danke

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