Dass der Dativ gerettet werden müsse, ist uns jahrelang eine- trichtert worden und hat sich im Lauf der Zeit in unserem Bewusstsein festgesetzt.

Aber es gibt weit mehr Baustellen in unserem Umgang mit der Sprache, von schiefen Sprachbildern bis zum allseits unverstandenen Konjunktiv. Vor einiger Zeit erhielt ein Bekannter, der möblierte Zimmer an Gastwissenschaftler vermietet, folgenden Brief:

Sehr geehrter Herr […],

ich suche eine Unterkunft in Berlin für zwei Gastwissenschaftler. Der Erste (sic!) käme vom 1. bis 30.4. diesen Jahres und der Zweite (sic!) käme vom 1. bis 31.8. Stünde Ihre Wohnung zu diesen Zeiten zur Verfügung?

Falls nicht, würde ich mich freuen, wenn Sie kurz Bescheid geben würden, ab wann ich Ihre Wohnung wieder an GastwissenschafterInnen vermitteln kann.

Mit freundlichen Grüßen

(von einer deutschen Universität, Name und Anschrift bekannt)

Abgesehen von dem leidigen „diesen Jahres“ und den „GastwissenschafterInnen“ – ist das eine Mischung aus „WissenschaftlerInnen“ und „GewerkschafterInnen“? –

fällt vor allem der nebulöse Umgang mit dem Konjunktiv II auf: „Kämen“ die Leute nun zu den genannten Terminen oder nicht?

Oder käme die zweite Wissenschaftlerin nur, wenn die erste Wohnung zur Verfügung stünde. Oder stünde die zweite Wohnung nur zur Verfügung wenn die erst Wissenschafterin käme?

Angesichts des inflationären Umgangs mit dem Konjunktiv fragt man sich, warum er ausgerechnet am Ende des Briefes fehlt. Nicht dass er dort falscher wäre, aber weniger richtig ist er auch nicht.

Merke: Man muss nicht nur wissen, wie der Konjunktiv II lautet, man muss auch wissen, wie er benutzt wird. Und warum.