Übt sich die CDU Baden-Württembergs im Kreidefressen? Fast könnte man es meinen, wenn man das Interview des dortigen Generalsekretärs Thomas Strobl mit dem rbb-inforadio hört. Er räumt ein, dass die Kommunikation bei diesem Projekt nicht optimal gelaufen sei, dass man zwar die gesamte parlamentarische Agenda rauf und runter abgearbeitet habe, doch es habe an „professioneller Kommunikation“ gemangelt. Das ist ein Weckruf, spätestens hier sollte der demokratisch gesinnte Hörer aufschrecken.
Doch es kommt noch besser: Bei der Frage, ob die CDU sich mit dem Vorschlag anfreunden könne, den Bau des Stuttgarter Hauptbahnhofs (Stuttgart 21) von einem Volksentscheid abhängig zu machen, eiert Strobl rum: Gewiss könne man über einen Volksentscheid reden, doch müsse der am Anfang eines solchen Projekts stehen und nicht erst jetzt, nachdem 15 Jahre lang die parlamentarischen Gremien sich mit dem Vorhaben auseinandergesetzt haben, über 10.000 Bürgereinsprüche bearbeitet worden seien und die Gerichte rechtskräftige Urteile in dieser Causa gefällt haben. Also im Klartext: Wir können miteinander über alles reden, aber am Ende muss das dabei rauskommen, was wir schon immer gewollt haben. Das Problem scheint mir in einer Bedeutungsverschiebung des Begriffs „Kommunikation“ bzw. „kommunizieren“ zu liegen. Eigentlich ein intransitives Verb (so wird es auch in den Wörterbüchern geführt), das besagt, mehrere Menschen stehen in gedanklichem Austausch miteinander („sind verbunden miteinander“ wie kommunizierende Röhren), hat es in den letzten Jahren einen transitiven Ableger zugelassen, der vor allem aus den Management-Büros großer Wirtschaftsunternehmen zu hören ist: „etwas kommunizieren“. Das aber besagt fast immer, dass irgendjemandem etwas auf- oder eingeredet werden soll, was er eigentlich gar nicht will: Man hätte die und die Maßnahme besser kommunizieren müssen, sind hohe Manager oder Politiker rasch bereit, einzugestehen. Gut gemeint, schlecht kommuniziert. Was da noch leicht selbstkritisch klingt (obwohl es zu einem gewissermaßen technischen „Stockfehler“ heruntergespielt wird), wird vollends suspekt, wenn das Adjektiv „professionell“ hinzu kommt. Die Werbefuzzis an die Front! Man kann alles verkaufen, wenn man es richtig kommuniziert. Höhepunkt solcher Wortschinderei: „jemandem etwas kommunizieren“. Früher haben wir das „verklickern“ genannt. Den andern volllabern, bis der glaubt, was man ihm erzählt. Und ist er nicht willig … .
Merke: Fehler werden nicht dadurch sakrosankt, dass sie schon passiert sind.