Drei Jahrhunderte Aufklärung und nun das! Die Führungsriege eines Flüchtlingsheimes habe sich im Ton vergriffen, berichten die Medien. Im internen Email-Geplänkel entwarfen sie Szenarien ihrer professionellen Tätigkeit, etwa derart, dass ein Sandkasten, dessen Bau durch eine Industriespende ermöglicht wurde, von vornherein als (überdimensionierter) Aschbecher angelegt werden sollte. Oder eine Heimleiterin schlug vor, statt einer Basketballanlage gleich eine Kinder-Guillotine aufzustellen. Kommentar: Das sei doch mal was anderes als das Standardprogramm. Laut taz wurde im Anschluss darüber fabuliert, wer von den Heimbewohnern zuerst geköpft werden solle. Als Favoriten gelten die „maximal Pigmentierten“

Und so ging es munter weiter. Bis die Öffentlichkeit davon Wind bekam. Da gab es einen Aufschrei der Empörung. Weshalb eigentlich? frage ich mich. Ist es nicht dankenswert, wenn den einzelnen Flüchtlingsgruppen statt kuschelpädagogischer Weichspülerei glasklar gezeigt wird, wo der Hase läuft? Wollten das die Linken nicht schon immer, die gesellschaftlichen Verhältnisse ungeschönt zeigen, damit der Einzelne weiß, wo er zu stehen hat. Nur so kann er die subtile Logik des Klassenkampfes nachvollziehen.

Als ich einst meine Elternrolle spielte, gab es auf dem Buchmarkt ein Werk, das zum Glaubenskanon aller linken Eltern wurde: Bruno Bettelheim: Kinder brauchen Märchen. Der Psychologe Bruno Bettelheim (1903-1990) trat zur Ehrenrettung der Märchen just in einem Moment an, als diese in Verruf zu geraten drohten, Repressionsinstrument des Großbürgertums zu sein. Bettelheim wies darauf hin, dass nur die Überwindung der Ängste, wie sie stellvertretend im Märchen vollzogen wird, zur Herausbildung angstresistenter Individuen und somit repressionfreier Gesellschaften führen kann. Man muss dem Schrecken ins Antlitz blicken, um ihm die Wirkung zu nehmen.

Also, her mit der Guillotine für? oder gegen? Kinder!