Herta Müller hat den Nobelpreis für Literatur erhalten. Am 10. Dezember wurde er ihr in Stockholm verliehen. Danach gab es eine Pressekonferenz. Die Zeitung berichtet am Folgetag, Müller habe auf die Frage, was sie denn mit dem Geld, – das ist ja wirklich das Menschheitsthema – , machen werde, geantwortet: „Keine Sorge, ich werde mir keine Luxusjacht kaufen.“

Ich habe diese Szene im Fernsehen gesehen. Tatsächlich hat sie es anders gesagt, nämlich: „Ich werde mir keine Luxusjacht kaufen. Sie brauchen sich also keine Sorgen zu machen.“

Das sei dasselbe? Ganz und gar nicht. Es sind fast dieselben Wörter, doch in ihrer Anordnung zeigt sich der Unterschied zwischen dem berichtenden Schreiber und der Schriftstellerin. Und mit dem Wörtchen „also“ desavouiert die ihren Befrager und öffnet den Blick auf die hinter dessen Frage lauernden lüsternen Erwartungen. Als ich das hörte, habe ich schlagartig etwas von Herta Müllers Künstlertum begriffen.

Übrigens: desavouieren bedeutet laut Wahrig: „missbilligen“, „für unbefugt erklären“, „bloßstellen“. Am besten alles zugleich.