Aus dem Deutschen Bundestag ist man gemeinhin keine aufregenden Bilder gewohnt. Um so überraschter war ich, als heute wertvolle Sendesekunden dem Körper einer Bundestagsabgeordneten gewidmet wurden, Annalena Baerbock, MdB von Bündnis 90/Die Grünen, wurde auf ihrem Weg zum Rednerpult des Plenarsaals von der Kamera (der ARD) nahezu verfolgt, bedrängt und schließlich sogar gewissermaßen ausgezogen. Erst wurde, stets von hinten, die Hüftregion fixiert, dann fielen – virtuell – der Rock, die Strumpfhosen (oder waren das Jeggings? Und vielleicht danach auch noch der Rest. Es war schwer zu ertragen, ich habe weggezappt. Bilder von einer soghaften Wirkung waren das, wie zumindest ich sie bislang aus der Welt der Politik noch nicht gesehen habe. Und das in opulenter Hartnäckigkeit.
Woran liegt das? Werden auch die Kameraleute politischer Sendungen immer dreister? Oder die weiblichen Abgeordneten immer begehrenswerter? Ich bin sicher, dass anders noch als bei Brüderles Dirndl-Hommage (die ja an sich eher dürftig ausgefallen war) niemand sich ereifern wird. Vielleicht ist die Frau auch einfach zu ansehnlich und die politische Klasse heute weniger verklemmt.
Doch hätte die Kamera im Falle von Frau Merkel diesen Pfad eingeschlagen, ich kann mir lebhaft vorstellen, welches Echo die Medien durchhallt hätte. Vielleicht sollten wir uns wünschen, dass Annalena nie Bundeskanzlerin wird.