Musiker haben atemberaubende Biographien. Das liegt zum Teil daran, dass ihre Begabung sie in Höhen des Daseins führt, von denen normale Sterbliche nur träumen können. Zum anderen aber auch wohl daran, dass die bestimmenden Größen ihres Lebens und Werdegangs ausgeprägter sind.
Die Cellistin ist noch jung, Anfang, höchstens Mitte Zwanzig. Und doch hat sie schon internationale Wettbewerbe der höchsten Kategorie gewonnen. Sie spielt auf einem jener Instrumente, das Banken außerordentlichen Talenten zur Verfügung stellen.
In ihrem Portrait im Programmheft kann man lesen, dass sie „als Tochter musikinteressierter Ärzte geboren“ wurde und „bereits im Alter von fünf Jahren […] sich ihre Leidenschaft zum Cellospiel [entwickelte]“. Leidenschaft „zu“ etwas? Mir ist erinnerlich, dass man „für“ etwas Leidenschaft empfinden kann. Oder ist gar gemeint, dass die Leidenschaft (für was auch immer) zum Cellospiel mutierte? Cellospiel gewordene Leidenschaft gleichsam.
Lassen wir aber die Beckmesserei. Und wenden uns dem eigentlichen Problem zu: den musikinteressierten Ärzten als Eltern. Wie soll man sich die vorstellen? Klingt nach Gruppe. Vielleicht ein ganzes Ärzteteam, das an einer in-vitro-Zeugung beteiligt war?
Wer musikinteressierte Ärzte zu Eltern hat, tut gut daran, sich philologisch versierte Paten zuzulegen. Um die Leidenschaft in biologisch kompatible Bahnen lenken zu können.