Und das schon seit 25 Jahren. Dennoch lassen es sich die Gazetten nicht nehmen, um die Ursachen, Motive und Umstände seines Todes ein erbittertes Gefecht zu liefern. Von einem betrunkenen LKW-Fahrer sei er überfahren worden, meldet die „Berliner Zeitung“. Falsch! Krakeelt die „taz“ dazwischen: Nicht der Lastwagenfahrer sei betrunken gewesen, sondern Fauser. 2,6 Promille satt.

Exkurs: Über die sprachliche Beförderung des Saufens.

Dass die Leute keine Grenzen beim Trinken kennen, liegt unserer unmaß- geblichen Meinung zufolge auch daran, dass die deutsche Sprache kein Wort für den Zustand des Genügend-Getrunken-Habens kennt. (Sieht man mal von Trapattonis kunstvollen Metaphorik ab: „[…] ware´ schwach wie eine Flasche leer.“) Wer genug gegessen hat, ist: satt. Aber wer genug getrunken hat? Wer satt ist, hört in der Regel auf zu essen. Wer aber genug getrunken hat, fängt nun gerade erst richtig an: einen über den Durst zu trinken. Weil er nämlich nicht weiß, es wegen dieser dämlichen Sprache gar nicht wissen kann, in welchem Zustand er sich befindet. Kein Wunder also, wenn wir irgendwann bei zweistelligen Promille-Werten landen.

Das aber macht Fauser auch nicht wieder lebendig. So streiten denn die Möchtegern-Schriftsteller in den Feuilletons darüber, was der Mann denn auf der Autobahn zu suchen gehabt hat. Wo doch jedes Kind weiß, dass Autobahnen nur für Autos da sind.

Hier aber scheinen mir die Medien, insbesondere das Inforadio (auf das ich gleich noch zu sprechen kommen werde) eine erhebliche Mitschuld zu tragen Denn die zahlreichen Verkehrshinweise berichten von Fußgängern auf irgendeiner Autobahn, so dass sich in den Köpfen der Hörer die Vorstellung festsetzen muss, die Autobahn sei für Fußgänger da. Und wenn dann noch 2,6 Promille im Spiel sind – ja wie soll denn der arme Mann nicht auf die schiefe Autobahn geraten?

Exkurs Ende

Zumal Jörg Fauser nicht irgend ein beliebiger Fußgänger ist, sondern der Entdecker, Erfinder oder vielleicht Erdenker der Untergrundliteratur! Nun werden die Umstände schon etwas klarer, nicht wahr?

Zu weit im Erahnen allerdings geht wieder einmal die „taz“. Die behauptet dreist, Fauser habe eine Abkürzung gesucht! Kann man sich, bitte sehr, einen Untergrundliteraten vorstellen, der eine Abkürzung sucht? Wohl kaum. Denn bekanntlich sind es die Umwege, die die Ortskenntnis erhöhen. Und genau das will ein UL (Untergrundliterat: Die ungeheure Zahl an Schreibfehlern, die ich in diesem Wort unterzubringen wusste, legen die Benutzung einer Abkürzung nahe.)

Die Behauptung der „taz“, Fauser habe eine Abkürzung gesucht, wird einen Tage zuvor noch von derselben Zeitung zurückgewiesen: „… was er da gewollt hat, weiß man bis heute nicht.“ Das war am 17.7.12. Schon am 18.7.12 wird eine Abkürzung daraus. Ich vermute, Fauser, unter Alk- und/oder Drogeneinfluss stehend, hatte ein Déjà-vu-Erlebnis: Mit einem Rauschmittel im Kopf und einer literarischen Idee im Herzen, nämlich Hemingways „Der alte Mann und das Meer“ zeitgemäß nachzuspielen, erklomm er auf schwankenden boots (Boot) die Autobahn (das Meer), als ein riesiger Fisch (LKW) auf ihn zuraste. Wie dieser ungleiche Kampf ausging, wissen wir. Auf jeden Fall aber war er schneller und eindeutiger beendet als der in der Romanvorlage.

Aus diesem Anlass noch einen herzlichen Glückwunsch an das Inforadio rbb, einem hier gern zitierten Gast. Die Media Analyse Radio 2012 hat ergeben, dass immer mehr und immer mehr junge Menschen Radio hören. Spitzenreiter beim Zuwachs ist das Inforadio des RBB. Kein Wunder! Bemühen wir uns doch seit nunmehr drei Jahren darauf hinzuweisen, welch wunderbare Wort-Neuschöpfungen wie auch sprachliche Fehlleistungen dieser Sender seinen Hörern präsentiert. Willkommen also im Club!