Deutsche Filme zeigen viel von deutscher Wohnkultur. Während Franzosen und Italiener ihre Liebes- und Lebensdramen in Bars oder in der Metro austragen, die Amerikaner auf dem Rücken von Pferden oder in ihren Autos, kommt es im deutschen Film oft im Wohnzimmer zum show-down. Manchmal auch im deutschen Wald. In diesem Fall wirkt noch ein Steinzeit-Gen nach.

Kein Wunder, nimmt doch das Wohnen in Deutschland den ersten Platz unter den zentralen Kulturaktivitäten ein. In Japan, das ergaben Umfragen, ist die Rangfolge: Essen – Kleiden – Wohnen. Geschenkt, - bei deren Kaninchenställen, wird mancher hämisch denken. In Frankreich und Italien aber dürfte es nicht so viel anders sein, vielleicht ist da die Position von Essen vor Kleiden (bella forma!) nicht ganz so eindeutig.

Entsprechend herausgeputzt im deutschen Fernsehfilm sind die Wohnzimmer. Man sehe sich nur einmal einen der zahllosen Krimis an, die das Abendprogramm fest im Griff haben. Oder auch die meist in der Oberschicht angesiedelten Gesellschaftsdramen. (Oft fallen diese beiden Genres auch zusammen.) Neulich wieder geriet ich beim Zappen in solch einen hinein. Irgendwie ging es um die Folgen des Flugzeugszuammen- stoßes über dem Bodensee vor einigen Jahren. Die Handlung, die überwiegend aus bedeutungsschwerem Schweigen bestand, schleppte sich zäh dahin, Zeit genug für die Kamera, lange Fahrten über das Interieur zu vollziehen. Das reinste Konjunkturankurbelungsprogramm! Selten habe ich mich so mies in meinen vor Jahrzehnten bereits zusammengekauften und inzwischen leicht angegrauten Möbeln gefühlt. Die Botschaft war klar: Raff dich auf, besuch mal wieder ein gutes Möbelhaus. Ikea tut’s da nicht, muss schon was Besseres sein. Durch solches Ambiente schweben schöne, edle Menschen, maßgeschneidert gewandet, die zuvor in deutschen Luxusklassewagen vorgefahren sind. Nein, Domestiken sieht man keine in diesen Wohnungen, aber es muss eine Brigade nachts, vor Drehbeginn schaffender Heinzelmännchen sein, die alles so sauber und spiegelblank hinbekommen. Was bei mir dagegen alles so rumliegt!

Die Botschaft könnte allerdings auch andersherum gelesen werden: Jeder hat die Einrichtung, die mit seinem Äußeren kompatibel ist. Also, die er verdient hat. Dann sollte man vielleicht erst mal zum Friseur und Bekleidungshändler gehen.

Seit dem Bodenseefilm geht mir die Frage nicht mehr aus dem Kopf: Was geschieht mit diesen Möbeln, wenn der Film abgedreht ist? Bei Autos ist das kein Thema, die werden, da ja schon einige Meter gefahren, im nächsten Film gecrasht oder in einen See versenkt (so gestalten sich die Geschichten aus dem verfügbaren Fundus). Das ist auch gut für unsere Automobil- industrie, die kann so am Laufen gehalten werden. Schade eigentlich, dass in unserem TV keine Opel vorkommen. (Stimmt das eigentlich, dass unsere Kriminalbeamten durchweg Oberklassenautos fahren? Dabei dürfen die doch sonst immer nur Currywurst essen. Oder hängt das auch mit der eingangs erörterten Rangfolge zusammen?)

Was mit Autos geht, geht mit Wohnungen nicht. Die kann man doch nicht einfach so entsorgen! Sicher werden die an verdiente Mitarbeiter zu Weihnachten verteilt oder es findet eine Tombola statt? Als Natural-Anteil der Gage können sie wohl kaum an die Schauspieler weggegeben werden, so viele Wohnungen könnten die ja gar nicht möblieren. Ich hätte gern mal so eine Einrichtung, einschließlich der Heinzelmännchen. Und da ja schon gebraucht, mit blutenden Leichen besudelt, kann das Zeugs ja nicht allzu teuer sein. Wo wende ich mich hin?