Andere Sprachen unterscheiden auch in der Formbildung rigoros zwischen Adjektiv und Adverb; das Englische kennt die Endung -ly für Adverbien (quick / quickly), das Polnische kennzeichnet Adverbien durch die Endungen –o oder –nie, das Japanisch setzt an die Endungsposition ein –ku und so fort.
Doch es geht mir gar nicht um Spezifika der Grammatik, insbesondere der Morphologie, eher um solche der Pragmatik, also der Frage; wie sage ich etwas in welcher Situation? Und da fällt bereits beim flüchtigen Hinein- hören in Gespräche auf, dass im Widerspruch zur Kenntnislosigkeit in Sachen Adverbien die Häufigkeit ihres Gebrauchs vor allem in einem Jargon (Soziolekt), den ich hier mal als “Scenesprech” bezeichnen will, enorm ist. Beim genaueren Hinhören fällt auf, dass es besonders eine oder zwei semantische Untergruppen sind, die Grad- und Modaladverbien, die die gesprochene Sprache dominieren. Gehen Sie nur mal nach Prenzlauer Berg oder in eine andere unter Kreativen angesagte Lokalität, dann wird fast jedes zweite Wort, das an Ihr Ohr dringt, ein Adverb sein; „total“, „irgendwie“ u.a.: „Er ist total gut drauf.“ „Ich fühl mich irgendwie (total) verarscht.“ Besonders virtuos mit dieser nouvelle vague können die Filmschaffenden umgehen, besonders dann, wenn sie noch gar nichts geschaffen haben. Meine allergrößte Bewunderung gilt jenen, die fast nur aus Adverbien dieser Art bestehende Sätze generieren können: „Vagheit“ at it`s best!
Vielleicht aber muss nur die Grammatik des Deutschen umgeschrieben werden. Denn niemand könnte mit Hilfe der Schulgrammatik solch Rede analysieren:
„Was ich glaube, was eine Rolle spielt, ist, dass der Talent Campus so eine Brücke ist, zwischen ich habe schon einmal Filme gemacht und auch studiert und diese Brücke zu so einer professionelleren Ebene und ich glaube, dann gehört das wirklich dazu. Ich glaube, das macht total Sinn, das auch zu fokussieren.” Mit diesem grammatischen Bravourstück gewährt uns Vanessa Nica Müller, Regisseurin