Im Nachgang: Nur einen Tag nachdem ein investigativer Journalist der taz auf der Wahrheit-Seite eben dieser Tageszeitung die Plural-Verschwörung unter den deutschen Medienschaffenden und ihren willfährigen Handlangern (als da sind Politiker im Besonderen, aber auch Fußballspieler) aufgedeckt hatte, zeichnen sich erst Erfolge ab. Im Info-Radio RBB kündigte eine Moderatorin einen Beitrag über die Kostenexplosion beim Flughafenbau mit den folgenden Worten an: „Hartmut Mehdorn und seiner Flughafengesellschaft gehen das Geld aus.“
Den Verzicht auf den Plural „die Gelder“ könnte man noch als Teilerfolg der angelaufenen Kampagne werten, auch wenn dieser den Satz zumindest in einer formalen Harmonie belassen hätte. Wäre da nicht die Frage: Wie viele sind denn Mehdorn und seine Gesellschaft? Mindestens zwei? Richtig geantwortet, doch falsch gefragt! Denn nicht Mehdorn und schon gar nicht seine Gesellschaft gehen aus, sondern das Geld. Und so lobenswert die Verwendung des Dativs auch ist – mit der Bestimmung des Numerus hat er nichts zu tun.
Das Plural-Dilemma wird in den einzelnen Sprachen höchst unterschiedlich gelöst: einige kennen den Unterschied zwischen Singular und Plural gar nicht, sondern setzen auf den Menschenverstand (Japanisch oder Chinesisch). Ist die Nennung des Numerus wichtig, so wird eine Zahl, genau oder ungefähr, genannt, ohne dass dies morphologische Auswirkungen hätte.
Andere Sprachen wiederum kennen eine Subkultur des Plurals, die selbst vor kaum zählbaren Substanzen Halt macht, etwa Alkohol. Ich werde nie vergessen, wie stark es mich beeindruckte, als ich zum ersten Mal vor der polnischen Ladenkette „Alkohole świata“ , „Alkohole der Welt“ stand. Ja, können Sie sich denn eine Welt vorstellen, die aus nur einem Alkohol besteht? wurde ich gefragt. Alles was portionierbar ist, kennt zwangsläufig den Plural! Dennoch: Es ist ein übles Gerücht, wenn behauptet wird, Polen tränken Wodka ohne Punkt und Komma.
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„Am Wochenende wurden [sic!] eine Reihe von Besatzungsmitgliedern festgenommen […|“ (RBB Inforadio 21.4.2014). Doch es sind nicht allein die Journalisten, denen hier die Schuld in die Schuhe geschoben werden soll. Auch wenn wegen der größeren Streuwirkung ihres Tuns sicherlich eine höhere Verantwortung auf ihnen lastet. Das, was sie in die Welt setzen, findet sich als Kollateralschaden im privaten Diskurs in Formulierungen wieder wie: „Anfang Mai bin ich auf Reisen.“ Gleich auf mehreren? Hat der etwa geerbt? Wohl nur auf die Benutzung des Dudens verzichtet.
Kürzlich habe ich ein Treffen ehemaliger Mitschüler organisiert. Wir waren eine Klasse ohne Mädchen, was die Fantasie in Beziehungsfragen offenbar besonders stimuliert. Prompt wurde rückgefragt: „Ich komme gern, die Frage ist nur: mit Damen oder ohne?“ Die Frage ist auch: Angeber oder Opfer der Pluralfalle? Wahrscheinlich sollte man ihm zugute halten, schon das richtige gemeint, aber falsch gefragt zu haben.
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So lange die Amerikaner nicht begreifen, dass es einen Unterschied in der Zahl zwischen Visum und Visa gibt, werden sie kaum verhindern können, dass mit überschüssig ausgestellten „Visa“ massenweise potentielle Terroristen ins Land geschleust werden können.
Ich habe eine Falle für falsch verwendete „Plurale“ aufgestellt und werde sie von Zeit zu Zeit inspizieren.