Beim Aufräumen des Schreibtisches, fand sich ein Zeitungsausriss mit folgendem Satz: „Grundlage der [Forschungs-]Arbeit ist die Überzeugung, dass immaterielle Zufriedenheitswerte wie Essen und Trinken Wohlstandsverluste ausgleichen können.“
Könnte fast von Sarrazin sein. Der hatte Hartz IV Empfängern ja mal im Selbstversuch demonstriert, wie man mit einem Tagessatz von 3,76 Euro drei leckere Mahlzeiten auf den Teller zaubern kann. Ob aber der Zufriedenheitswert ein Langzeithoch erreicht, wenn der preisgünstig erstandene Zehnerpack Würstchen an mehreren aufeinander folgenden Tagen verzehrt werden muss, um seinem Verderben zuvor zu kommen, scheint dann doch aber fraglich.
Der oben zitierte Satz hat mit dem Hartz-IV-Menü nichts zu tun, er stammt aus einer wissenschaftlichen Studie einer rheinischen Universität (Name nicht auffindbar, da ausgerissen!). Allerdings sollte der Hinweis: „Grundlage der Arbeit ist die Überzeugung …“ stutzig machen. Überzeugungen haben in einer empirisch angelegten Untersuchung eigentlich nichts zu suchen.
Das Ergebnis der Forschungstätigkeit lässt sich also etwa so zusammenfassen: „Wenn du schon keinen oder keinen angemessen bezahlten Job hast, dann solltest du wenigstens gut essen und trinken.“
Toll! Der Kulturanthropologe, der zu dieser Erkenntnis gelangte, fügt noch hinzu: „Das muss man aber erst erlernen.“ Und wo, bitte, kann man das erlernen? Wie wäre es, wenn die Unis, statt immer nur Grundlagenforschung zu betreiben, Studiengänge anbieten würden, die die Studierenden für das Leben als Arbeitsloser oder Hartz-IV-Empfänger fit machen könnten? Zu meiner Zeit jedenfalls waren die Kurse für den Erwerb des P-Scheins ein Renner.