Betr: Leserbrief Ursula Müller „Männerlastige taz“ vom 4.7.2011, S.7

Also was’n nu los? Darf in der taz jemand, auch wenn er nur eine Leserin ist, schreiben: „Künftig möchte ich keine Titel mehr lesen, die nicht zu dem jeweiligen Text passen.“ Und was wird dann aus der taz? Wie oft nicht haben Titel unpassenden Texten erst dazu verholfen, zur Kenntnis genommen zu werden? Ich denke nur an „Geschafft: Heiner Müller jetzt tot“ (12.1.2009,), „Alte haben immer länger Sex“ (5.3.2009), – analog dazu der Tagesspiegel vor vielen Jahren: „Ostdeutsche ertrinken häufiger“ – , aber auch: „S-Bahn will auch bei Schnee fahren“ (irgendwann im letzten Winter. Oder vorletzten. Oder vorvorletzten.) usw. Ohne die Titelschmiede der taz wäre der deutsche Journalismus doch schon längst verblutet.

Überhaupt: LeserInnen sollen lesen und nicht schreiben. Wo kommen wir denn da hin! Mal ganz abgesehen von dem Missbrauch des Hilfsverbs „[ich] möchte“. Da könnte nun ein unbedarftes Gemüt meinen, jemand äußere einen Herzenswunsch. Doch weit gefehlt: Das ist ein knallharter Imperativ. Und den kriegen so nur Lehrer hin.

Ihr treuer Leser-Schreiber Detlef Foljanty