Es gibt Wochenenden im Spielplan der Fußball-Bundesliga, da fallen ganz besonders viele Tore. Sieben zum Beispiel bei einem 3:4. Doch wer glaubt, das Ergebnis der Rückrunde aus diesem Kaffeesatz herauslesen zu können, liegt meistens falsch. Diesmal trennten sich die selben Mannschaften 0:1.
Ähnlich mager war an diesem Wochenende die Torausbeute in allen Partien (Ausreißer darf man bei statistischen Berechnungen bekanntlich streichen.) Dafür hatten die sprachlichen Fehlleistungen der Reporter in Radio und Fernsehen Hochkonjunktur.
Eingestimmt wurden die Hörer des Inforadios RBB allerdings nicht durch eine Vorschau auf das Fußball-Wochenende, sondern durch eine politische Sendung. Aus Tunis wurde berichtet, dass zahlreiche Menschen in die Hauptstadt geströmt seien, um der Toten der erfolgreich verlaufenen Revolution zu gedenken. Fremde Menschen sanken sich in die Arme, Soldaten hatten Jasminblüten in die Läufe ihrer Gewehre gesteckt: „Das ist ein sehr, sehr schöner Anfang dieser drei Tage Staatstrauer,“ freute sich der Reporter.
Auch der anmoderierende Redakteur in der Sportsendung verbreitete Freude: „Ich kann Ihnen schon versprechen: Das könnte ein unterhaltsamer Abend werden.“ Allerdings kennzeichnet der Konjunktiv II im Deutschen den hypothetischen Fall beziehungsweise den Irrealis. Beide kann man nicht versprechen.
Doch der Abend wurde unterhaltsam! Dank der sprachlichen Kreativarbeit der Berichterstatter: „….[Name eines Spielers des FC Freiburg] mit einem Verzweiflungsversuch.“ Oder: „…humorlos drosch er [Podolski] den Ball ins Tor zum 3:0.“
Leider klingelte dann völlig humorlos mein Telefon, so dass ich mögliche weitere Sprachblüten nicht mehr mitbekam. Doch ich bin sicher, es gab noch einiges zu Bestaunen; denn wenn erst mal Tore gefallen sind, fallen auch noch mehr. Mit oder ohne Verzweiflung.