Auch der neue Papst setzt die alte Tradition der „Äußerungen Inkompetenter zu Fragen der Welt heute und ihres Zustandes“ ungeniert fort. Diesmal bekamen die reproduktionsunwilligen Eltern beziehungsweise Noch-Nicht-Eltern ihr Fett weg.
Natürlich weiß der Papst viel über den Zustand der Menschheit und der Christenheit insbesondere. Schliesslich arbeitet ihm ein Riesenstab zu. Doch wie tief reichen diese Kenntnisse? Was weiß er vom Leid der Eltern kranker Kinder, chronisch kranker Kinder? Was von der Armut armer, ausgebeuteter Familien? Ahnt er die Größe des Opfers, das diese Eltern zu erbringen haben?
Ich glaube schon, er weiß es und mehr noch: Er weiss es nicht nur, er ist auch daran interessiert, diesen Zustand aufrecht zu erhalten. Denn es waren die Armen, Schwachen und Schutzlosen, die die katholische Kirche in der Vergangenheit reich und stark gemacht haben. Mit diesem Druckpotential in der Hinterhand ist die Kirche gegenüber dem Staat moralisch und auch politisch groß und mächtig geworden. Sollte sie auf diesen Schatz verzichten? Sie hält die Massen heute noch in moralischer Abhängigkeit, um trotz wachsender Konkurrenz ihre Stellung zu behaupten. Wir Menschen sind über unsere Schuldgefühle erpressbar, davon lebt die Kirche.
Was der Papst im Einzelnen zum Kindersegen sagt ist so falsch nicht. Es sei ihm auch unbenommen, die reproduktive Faulheit der Menschen im gebärfähigen Alter zu beklagen. In seiner Position aber von Egoismus zu sprechen, das schiesst über das Ziel hinaus.
Mal hergehört, ihr Herren im Vatikan! Es gilt immer noch der alte Grundsatz: Wer bei Anderen Veränderungen bewirken will, muss mit gutem Beispiel vorangehen