Ich erwachte. Meine Hand griff nach der taz. Mit noch zitternden Fingern arbeitete ich mich zum Berlin-Teil vor, um dort zu erfahren, wie der Film war, den ich gestern auf der Berlinale gesehen hatte.

Ich war gerade auf Seite 21 angelangt, da fiel mein Blick auf eine Karte. Ein dunklerer Fleck wies in etwa die Umrisse von Berlin auf, doch dieses mein Berlin war von einem spaghettiartigen Gewebe eingeschnürt. Schlimmer noch, es schien in eine galaktische Umgebung versetzt worden zu sein, denn die Spaghetti zeigten, mit Pfeilen versehen, in die Richtung von Ortschaften, von denen ich noch nie etwas gehört hatte: WESTI (ha,ha, sehr komisch!), GERGA, GORIG, LUDDI und wie sie alle hießen. Entsetzt stürzte ich zum Fenster, doch das Tageslicht wurde wie von einem bleiernen Mantel zurückgedrängt, es gelang mir nicht, die Umgebung auszumachen.

Ich begann nachzudenken: Da war doch was gewesen?! Richtig, nun fiel es mir wieder ein: Bereits 1961, nach dem Bau der Mauer, wurde in West-Berlin ernsthaft erwogen, die Halbstadt aufzugeben und in der Lüneburger Heide originalgetreu wieder aufzubauen. Damals hatten wir dies als Hirngespinst der Baulobby abgetan, die sich in der eingemauerten Stadt nach neuen Bauvorhaben und den entsprechenden Flächen sehnte. Doch LUDDI klang nicht nach Lüneburger Heide, eher nach Rotlichtbezirk! Oder nach Sibirien.

Ich hatte inzwischen meine Augentropfen eingeworfen und war nun in der Lage, das Kleingedruckte (das bei der taz besonders klein ist, – geschuldet der Jugendlichkeit ihrer Herausgeber) zu entziffern. Dort stand es: Es handelt sich um computergenerierte Wegpunkte. Alles klar?

Während ich darüber nachdachte, was wohl Wegpunkte seien (Weg ist eine Strecke und Punkt ist keine Strecke) und wie man die vom Flugzeug aus wahrnehmen könne, schlief ich wieder ein. Beim nächsten Aufwachen hingen mir noch Fetzen des letzten Traumes im Gehirn. Es war um eine Strafkolonie gegangen.

Vielleicht sollte man vor dem Einschlafen nicht gerade Kafka lesen.