Immer wieder würzen neue Wörter die Suppe des politischen Diskurses, Wörter, die an sich nicht neu sind, aber in einer neuen Weise, mit neuen Konnotationen gebraucht werden: Rettungsschirm, Haircut (linearer Schuldenerlass) und jetzt: Hebel. Sie sind uns sehr vertraut, so sehr, dass niemand sich soweit entblöden möchte, sie zu erklären. Und doch verstehen wir sie nicht richtig, höchstens ahnen wir, was gemeint sein könnte. Bei manchen dieser Neu-Altwörter ist mir das ziemlich schnuppe, aber beim Hebel wüsste ich, bittschön, schon gern etwas genauer, wie der funktionieren soll. Denn soviel hab ich bereits verstanden, dass unter geschickter Nutzung physikalischer Gesetzmäßigkeiten es möglich sein soll, das eigene Geld um ein Vielfaches zu mehren, etwa von 400 Milliarden auf 2 Billionen, ohne dass man die Notenpresse anwerfen muss.

Nun sind 400 Milliarden (gemeint sind Euro, nicht etwa die alte italienische Lira) ja auch nicht schlecht und ich könnte damit zufrieden sein. Doch wer kriegt dann die erhebelten 1,6 Billionen? Die gönne ich nämlich niemandem! Also ehe die sich mein Nachbar unter den Nagel reißt, will ich mich da rasch sachkundig machen. Und vor allem fordere ich den Hebel für jedermann, nicht nur für Staaten und deren Regierungen!

Doch es heißt schnell sein! Denn der böse Arbeitgeber lauert bereits und zahlt mir nur noch etwa ein Viertel meines Gehalts, darauf vertrauend, dass der Hebel es mir erlauben möge, dieses Viertel auf die gewohnte Höhe zu liften.