aus der Fundgrube: älter, aber nicht veraltet

Neue Besen sollen dem Volksglauben zufolge gut kehren. Die Bundesministerien haben kürzlich eine ganze Ladung neuer Besen erhalten, die nun die Spitzen dieser Behörden zieren und versuchen sollen, die Augiasställe sauber zu bekommen. Ich meine damit nicht unbedingt von Korruption säubern, eher dass sie sich von überkommenen, wenig wirksamen Praktiken trennen.

Einer dieser Besen heißt Alexander Dobrindt und schmückt nun das Verkehrsministerium. Er hat eine tolle Idee: Durch Testfahrten will er herausfinden, was die Bahn mit den Steuergeldern anstellt. Seit Jahren schon beschwöre ich die Anbieter von Dienstleistungen im Bereich öffentlicher Verkehr, sie sollten ihre Topmanager dazu verdonnern, ihre Produkte selbst zu konsumieren, um Fehlentwicklungen bereits im Entstehen wahrnehmen zu können. Als whistle blower vom Dienst sozusagen. Dass nun einer aus der CSU sogar, die ja nicht gerade als Robin Hood Partei gilt, sich dieser Aufgabe annimmt, ehrt ihn.

Die taz liefert gleich zwei Inkognito-Vorschläge („Styling Tipps“: Hipster und Rentner) mit, deren Outfit in der Netzausgabe leider nicht übermittelt wird. Vielleicht also mal in die Printausgabe reingucken, da findet man die Kostüme: taz vom 30. Januar 2014, S. 14

Bei der Suche stieß ich jedoch auf einen Artikel über jenen Artikel, der dem taz-Artikel zugrunde liegt. Er entstammt der Süddeutschen Zeitung, jenem Blatt, dass eine direkte Pipeline zu den Mächtigen dieser Republik unterhält und meint, auf diese Weise nach Herzenslust investigativ sein zu können.

http://taz.de/Verkehrsminister-Dobrindt/!131924/

Die Lektüre dieses Artikels aber hinterlässt Ernüchterung. Nicht der Minister will sich inkognito in die Züge setzen, sondern das Ministerium. Und außerdem soll das Netz, die Qualität der Schienen und Weichen also, überprüft werden und nicht etwa die Schaffner, oder wie es heute heißt: das Bordpersonal.

Schade! Nun müssen wir weitere Dezennien auf einen Harun al Raschid bei der DB warten.