Es gibt ein kleines, aber feines Verlagshaus in Berlin, das ganz auf Poesie und Kurzprosa setzt und unter dem Slogan „Poetisiert euch!“ gegen die Großen der Branche angetreten ist. Bravo! möchte man rufen und: „Solche Leute brauchen wir, Leute, die mit Herzblut ihre innere Welt beschreiben.“

Und die Verleger, sie schwärmen von dem idealen Verhältnis 3:25, drei Verleger, die wohl zugleich auch Lektoren sind, und ihren 25 Autoren. „Die Lyrikbände sind mit Illustrationen versehen und fassen sich sehr gut an – und auf jedem ist eine kleine Schreibmaschine zu sehen. Für jede einzelne Sammlung von Gedichten soll sich auch graphisch die optimale Form finden“, weiß das Inforadio RBB zu berichten. Und der Hauptverleger legt nach: „Die einheitliche Cover-Gestaltung spiegelt (..) wider, was wir glauben, nämlich, dass unsere Autoren nicht nur Einzelkämpfer sind, sondern, wenn man es pathetisch ausdrücken möchte, auch Teil einer Bewegung sind.“

„Teil der Bewegung“ – hatten wir das nicht schon mal? Oder gar schon mehrmals? Und die Tatsache, dass die Autoren nicht nur Einzelkämpfer sind, erfordere eine einheitliche Cover-Gestaltung – was soll denn das bedeuten? Die Alarmklingeln sollten spätestens jetzt schrillen. Und wenn dann ein Verleger seine Autoren gewissermaßen zu Toren macht, indem er sagt, man habe es sich zum Grundsatz gemacht „mit jedem Autoren“ zu arbeiten – dann ist das Kind bereits in den Brunnen gefallen. Denn der Dativ von Autor im Singular ist, trotz aller Reformen, noch immer „Autor“. (Au)Toren aber gibt es nur im Bündel.

Tut mir leid, Herr Frank, aber meine Gedichte bekommen Sie nicht.