Endlich weiß ich, weshalb ich das, was war, rasch und ohne Umstände vergesse: Ich bin der Zukunft zugewandt! Ein Artikel in der taz vom 8./9. Januar 2011 hat mir die Augen geöffnet. Grundlage war das Gespräch mit einem Vergessensforscher.

Die - Sache ist eigentlich ganz einfach: Um Platz für Neues, Bemerkens- wertes zu schaffen, muss im Gehirn aufgeräumt und dabei Überflüssiges aussortiert werden. Das funktioniert nicht viel anders als eine Suchmaschine auch: Was oft nachgefragt wird, landet in der Prioritätenliste weiter oben, anderes, das weniger nachgefragt wird, rutscht ab in den Orkus des Vergessens. Endgültig ausgesondert jedoch wird wohl nichts, nur eben die Position in der Prioritätenliste verändert sich. Das Grundprinzip lautet: „Nur wer vergisst, ist offen für Neues.“

In dem Bericht wird immer wieder die Ähnlichkeit der Vorgänge zum Speicherungsprozess im Computer betont: „… Neuankömmlinge [werden] in verschiedene Verzeichnisse, in Ordner geschoben. Sogenannte Merkmale entscheiden dabei, was wo eingeordnet wird.“

Wenn der Ablauf derart ist, dann ist es wohl auch nur eine Frage der Zeit, dass die Evolution unser Gesicht zum Monitor mutieren lässt. Wenn nur nicht die Emotionen wären! Die verhindern ein effektives Aufräumen, pushen die Erinnerung an etwas, – eine misslungene Liebe etwa –, immer wieder in den Vordergrund. Und dann wird sie von den Rezeptoren auch gleich liebevoll in die Arme genommen. Folge: Alle anderen liebenswerten Wesen gehen dir am Arsch vorbei. Wie soll man da auf einen grünen Zweig kommen?