Vielleicht liegt gerade darin die Tragik der Dozentin begründet. Und so ersann sie Neben Renée Zucker zählt Helmut Höge zu meinen Lieblingsautoren. Anders als Zucker, die ihre Sicht der Dinge in ein Feuerwerk origineller Assoziationen verpackt, kommt Höge stets schnörkellos direkt zur Sache (bewundernswert vor allem seine ersten Sätze!) und folgt seiner Linie unerbittlich. Aber das nur am Rande.

Am 20. März 2009 berichtet er in der taz von einer Frau, deren Lottogewinn von der Lotteriegesellschaft nicht anerkannt wurde, und die deshalb wegen des Verdachts des Betrugs vor Gericht stand. Mag Recht haben, wer will, das interessiert hier nur am Rande. Aufgemerkt habe ich gleich zu Beginn des Artikels, als Höge einen kurzen biographischen Einblick in das Leben der unglücklichen Lottogewinnerin gibt, einer „ehemaligen Philosophie Dozentin an der Moskauer Militärflugzeug Akademie“.

Die Rote Armee hat fraglos Großes geleistet, ob das auch für die heutige Russische Armee gilt, mag dahingestellt sein. Aber dass bei der Ausbildung von Ingenieuren für den Bau von Militärflugzeugen (wie sonst soll man den Namen dieser Hochschule deuten?) auch Philosophen eingesetzt werden, das wirft ein völlig neues Licht auf diese Armee.

Dass Philosophie an Militärakademien gelehrt wird, - nun gut, es war schon immer ein Bedürfnis des Menschen, das, was er tut, durch höhere Mächte absegnen zu lassen. Wer will schon in dem Bewusstsein leben, das, was er tut, sei schlecht, böse? So ist Philosophie ein immanenter Teil der Kriegsethik.

Wozu aber dient Philosophie, wenn man Flugzeuge baut? Flugzeuge sind an sich weder gut och schlecht, es kommt darauf an, was man mit ihnen macht, wozu man sie benutzt. Das aber ist Metaphysik und fällt, – enn schon , in die Zuständigkeit der Militärakademien. Das Bauen von Flugzeugen ist nichts weiter als Physik.Zahlensysteme, die sie zum Glück führen sollten. Und sei es notfalls durch ein corriger la fortune. Wer wird denn gleich von Betrug sprechen, wenn es um die letzten Dinge geht?200

7. April