Wieder einmal sind die Krankenhäuser Deutschlands ins Gerede gekommen. Sie seien zu teuer, sagen die einen. Sie seien nicht gut genug. Und über allen Argumenten schwebt die Strukturreform.

Die alte Frage stellt sich wieder: Soll man die ohnehin guten fördern? Oder doch eher den unter ihren Möglichkeiten arbeitenden Kliniken Anreize bieten, den Rückstand aufzuhol

So ähnlich ergeht es mir in den öffentlichen Verkehrsmitteln, wenn urplötzlich Straßenmusikanten den Wagon entern und loslegen, sobald das Abfahrtsignal ertönt. Doch, - geklagt sei es den BVG-Mitarbeitern, die die Genehmigung gegen eine moderate Gebühr ohne Qualitätsprüfung erteilen. Sind die Musi- kanten gut, macht es Freude, man entrichtet gern seinen Obulus, Sind sie schlecht, fühlt man sich belästigt und zahlt nichts.

Doch bei genauerem Überlegen scheint mir das falsch zu sein, eben weil der bekommt, der es gar nicht nötig hätte. Der andere, schlechte Musiker dagegen sollte sich auf den Metro-Auftritt gründlich vorbereiten können. Da er jedoch leben muss, braucht er Geld, das er aber nicht bekommt, eben weil er nicht genug üben konnte.

Eine verzwickte Situation. Ich gebe in der Regel dem weniger guten Musiker und hoffe, dass er die Chance nutzend sein geringes Können aufpolieren wird. Dahinter stecken natürlich unterschiedliche Förderungsphilosophien. Japan hat ziemlich konsequent der letzteren den Vorzug gegeben, mit dem (Ziel und) Effekt, dass sich rund 90% der Bevölkerung der Mittelschicht zugehörig fühlen.

Die Frage lautet vereinfacht: mehr Mittelmaß (der sozialistische Weg) oder größere Ausdifferenzierung zwischen den Levels (der kapitalistische Weg)?. Da ich sie nicht lösen kann, gebe ich nach dem Zufallsprinzip. Und nach Laune. Und bei Krankenhäusern? Wie kann ich “gute“ von „schlechten“ unterscheiden? An der Mortalitätsrate? An der Nettigkeit des pflegerischen Personals? Oder der Kompetenz des medizinischen?

Ein Freund hatte sich einer Gallen-OP unterziehen müssen. Bei einer Nachuntersuchung führt er seine gewaltige Operationsnarbe einem Assistenzarzt vor. Der ist schwer beeindruckt, zunächst aber sprachlos.

Dann fragt er zögernd: „Wer hat denn das angerichtet?“

Der Freund, stolz: „Na der Chef persönlich!“

Arzt: (nachdenklich): „Also wenn Sie eine Frau wären, hätte er bestimmt etwas kosmetischer operiert …“

Ich resümierte für mich: Der Assistenzarzt erhält eine gute Note, der Chefarzt eine schlechte. Und das Krankenhaus insgesamt?