Rosinen aus dem Kuchen deutscher Geschichte
Integration bedeute, dass die Zuwanderer auf uns zugehen müssen. Das sagte Merkel sinngemäß bei einem Besuch gemeinsam mit Sarkozy in einer Berliner Schule. Auch die Deutschen müssen sich öffnen, fügte sie dann noch hinzu. Aber das ist Kosmetik. Die Bringepflicht liegt nach den Vorstellungen der Politiker eindeutig bei den Immigranten. Wie stellt man sich das vor? Sollen sie zusammen mit ihrer Kleidung (Kopftuch!) auch noch ihre Geschichte und Kultur ablegen? Um sich dann Kleidung, Geschichte und Kultur (Leitkultur) der Deutschen anzueignen? Integration als Maskenball. Warum macht sich niemand die Mühe, sich einmal vorzustellen, wie er als Deutscher im Ausland leben würde: Es ist ja noch gar nicht so lange her, dass viele Deutsche dazu gezwungen waren. Gut, dass man vor allem Intellektuelle verfolgte, die konnten zumindest eine Fremdsprache. (Abge- sehen davon, dass einem Schriftsteller keine noch so gut beherrschte Fremd- sprache seine Hauptwaffe, die Muttersprache, ersetzt.) Was geschieht, wenn sich ein Zuwanderer Geschichte und Kultur seines Aufnahmelandes zu eigen macht? Darf er sich die Rosinen herauspicken oder muss er auch die Nazi-Kröte schlucken? Wo bleibt dann – beispielsweise – die Auseinandersetzung eines Türken mit der Ermordung der Armenier? Auch wenn er auf diese Weise Deutscher würde, hörte er damit auf, Türke zu sein?