Wenn der Herbst mit den ersten Stürmchen daher kommt, das früh vergilbte Laub von den Bäumen blasend, schafft er auch im Kopf Platz für neue Gedanken: Zeit für das Berliner Literaturfestival, oder wie es heute heißt: ilb. Es ist eine meiner Lieblingsveranstaltungen, wird hier die Literatur doch nicht allein auf der grünen Wiese stehen gelassen, sondern der politische und historische Kontext mitgedacht. Das passiert diesmal vor allem im „Fokus Osteuropa“. Und so findet die Diskussionsveranstaltung am 17. September unter dem Titel: „Ein Kampf um Europa“ mein besonderes Interesse.

Während ich mich um die Logistik kümmere (Wie komme ich zum Veranstaltungsort?, wie von dort zum nächsten, wo nur neunzig Minuten später die nächste Diskussion zu einem ähnlichen Thema stattfindet?) fällt mein Blick auf eine Notiz, die das Herz erwärmt: „Eintritt frei“. Das gefällt mir. Doch dann werde ich sofort wieder auf den Boden der Realitäten zurückgeholt: Es handelt sich um eine „geschlossene Veranstaltung“. Warum die im allgemeinen Programm angekündigt wird? Vielleicht nur, um uns zu vor Augen zu führen, dass es zwei Sorten von Besuchern gibt: die eine, die löhnen muss, um hineinzukommen, die andere, die gebeten wird, teilzunehmen, damit die Kameras des ZDF-Nachtstudios über bekannte Gesichter schweifen können. Möglicherweise wird sie sogar mit Geld geködert. Oder man will einfach nur sicher gehen, dass niemand, die falschen Fragen stellt, an der falschen Stelle klatscht oder sonst wer weiß was Verrücktes anstellt. Die Medien-Mafia unter sich. Das gefällt mir weniger.Zwei Tage später wird dann die aufgezeichnete Gesprächsrunde ausgestrahlt. Zeit genug, um alle Unebenheiten, alle Falten aus der MAZ zu tilgen. Und wir, die wir ausgeschlossen wurden aus der originalen Veranstaltung, dürfen zugucken, was hinter der Glaswand passiert. So werden wir zu dem, als das man uns schätzt: zum Quotenbringer. Das gefällt mir ganz und gar nicht.